Montag, 10. Juli 2017

Marilyn Monroe in der LUDWIGGALERIE


Scarlett Andrews in der LUDWIGGALERIE, ExtraSchicht 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Bei der ExtraSchicht 2017 während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie“, vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE
Autorin: Natascha Kurek


Ladies and gentlemen, it’s a great pleasure to welcome Marilyn Monroe to LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen! She “wanna be loved by you”, although her “heart belongs to Daddy”…


Unmittelbar vor den Werken der Ausstellung Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie performte das Marilyn Monroe-Double Scarlett Andrews die bekanntesten Songs der Hollywood-Legende. Wie in der berühmten Fotografie von Sam Shaw, wurde selbstverständlich auch hier das weiße Plisseekleid von einem kühlen Windstoß hochgeweht.


Die originale Filmsequenz aus Das verflixte 7. Jahr (1954) beginnt damit, dass Marilyn zusammen mit ihrem Schauspielpartner mitten in der New Yorker Sommerhitze ein Kino verlässt. „Isn’t it delicious?“ ruft sie, als plötzlich ihr Rock durch das Gebläse eines U-Bahn-Schachts hochgeweht wird. An dem Abend der ExtraSchicht war es zwar kein U-Bahn-Schacht, aber dafür ein auserwählter Herr aus dem Publikum, der die Ehre hatte, einen Ventilator zu betätigen. Eines steht fest: Das dabei entstandene Foto ruft bei wohl jedem die Erinnerung an das ikonenhafte Original von Sam Shaw hervor. 



Scarlett Andrews in der LUDWIGGALERIE, ExtraSchicht 2017  © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bei der ExtraSchicht 2017, während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie“, vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE
Kaum eine Frau wurde häufiger imitiert als sie. Geboren als Norma Jeane Mortenson und gestorben als Mythos Marilyn Monroe. Wahrlich eine Legende des 20. Jahrhunderts. Bis heute rätseln Autoren über ihre Persönlichkeit. Ihr Leberfleck und das weiße Plisseekleid sind längst zum modischen Markenzeichen avanciert. Sogar Andy Warhol stilisierte sie zu einer Ikone. Filmregisseure und Fotografen liebten sie für ihr Lächeln, ihre Energie. Allen voran Sam Shaw, der zu ihren engsten Freunden zählte.


Ausstellungsansicht „Let’s buy it“, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen/Axel Scherer
Vom 22. Januar bis 14. Mai 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Let’s buy it! Kunst und Einkauf. Von Albrecht Dürer über Andy Warhol bis Gerhard Richter

Marilyn Monroe und Sam Shaw lernen sich Anfang der 1950er bei den 20th Century Fox Studios kennen. Als „Mädchen für alles“ hält sie sich dort mit kleinen Gelegenheitsjobs über Wasser. Er hingegen gilt in der Filmbranche bereits als etablierter Standfotograf. Engagiert für eine neue Filmproduktion ist es ausgerechnet die noch unbekannte Schauspielerin, die ihn als Fahrerin von Set zu Set chauffiert. Mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Fotografen und der aufstrebenden Hollywood-Ikone.


Sam Shaw, Marilyn Monroe, New York City 1954 (Das verflixte 7. Jahr) © Sam Shaw Inc. - www.shawfamilyarchives.com
Vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie

Als sie die Hauptrolle im Film Das verflixte 7. Jahr (1954) ergattert, ist es kein Geringerer als Sam Shaw, der die Filmstudios spontan davon überzeugt, jene legendäre Szene mit dem hochfliegenden Pilsseekleid in den Film zu integrieren. Zum Zwecke einer Werbekampagne lädt er 200 Fotografen zu diesem Drehtag ein, sodass die Bilder bereits am nächsten Tag weltweit durch die Presse gehen. Nach den Filmen Blondinen bevorzugt (1953) und How to marry a Millionaire (1953) wird auch Das verflixte 7. Jahr (1954) ein voller Erfolg. Spätestens jetzt ist der Weltstar Marilyn Monroe geboren.


Sam Shaw, Marilyn Monroe, New York City 1954 (Das verflixte 7. Jahr) © Sam Shaw Inc. - www.shawfamilyarchives.com
Vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie

Doch auch abseits des Beruflichen stehen sich die beiden nah. Spaßeshalber nennt sie ihn immer wieder „Sam Spade“, angelehnt an die amerikanische Filmfigur eines Privatdetektivs. Mindestens mit zwei, manchmal  sogar behangen mit vier Kameras, soll Sam Shaw stets auf der Suche nach dem Unerwarteten gewesen sein. So auch bei seinen Porträts von Marilyn. Für ihn ist sie mehr als nur ein sexy Pin-up-Girl. Er will ihr wahres Wesen fotografieren – hinter die Fassade blicken und das Unerwartete finden. Abseits des Glamours und der Erotik ist es vor allem ihre natürliche Seite, die er ihr immer wieder zu entlocken versucht: „Wenn sich Marilyn entspannte und mir vertraute, war sie ganz besonders schön und verletzlich. Die wirkliche Marilyn war schön, nicht der Star.“

Besonders in den Phasen ihrer Eheschließungen und Scheidungen steht er ihr als guter Freund zur Seite. Bei Tag oder bei Nacht – Marilyn scheut sich zu keiner Uhrzeit Sam anzurufen und ihn um Rat zu bitten. Umso anrührender ist es, dass er sich aus Pietätsgründen zehn Jahre lang nach ihrem Tod weigert, ihre Aufnahmen zu veröffentlichen, ganz im Gegensatz zu manch anderen ihrer Fotografen.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting



Wie zum Beispiel der Mode- und Werbefotograf Bert Stern. Nur einige Wochen vor Marilyns Tod vereinbart er mit ihr ein mehrtägiges Fotoshooting in einer speziell dafür gemieteten Hotelsuite. Um eine neutrale Raumatmosphäre zu schaffen, bespannt er die Wände des Hotelzimmers mit weißem Papier. Er besorgt durchsichtige Tücher, mit denen Marilyn spielerisch ihren Körper verhüllen soll. Ein Karton ihres Lieblingschampagners steht für sie bereit und stimmungsvolle Musik läuft im Hintergrund. Das Fotoshooting dauert die ganze Nacht und es folgen noch weitere dieser Art. Nach Marilyns unerwartetem Tod vermarktet er die Aufnahmen unter dem Titel The Last Sitting. Hierbei veröffentlicht er auch einige der Aktfotos, welche Marilyn ausdrücklich abgelehnt hatte.



Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting



Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich schon zu Marilyns Lebzeiten: Nur kurze Zeit bevor sie Sam Shaw kennenlernt, posiert die noch unbekannte Schauspielerin 1949 nackt für Tom Kelley. Drei Jahre nach dem Shooting werden Marilyns Nacktaufnahmen in einem Pin-up-Kalender veröffentlicht. Angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um die prüden 1950er handelt und Marilyn gerade auf dem besten Wege ist als Schauspielerin Anerkennung zu finden, steht die skandalträchtige Wirkung solcher Nacktaufnahmen außer Frage. Dennoch gelingt es ihr diesen Umstand in öffentlichen Interviews humorvoll zur meistern – letztlich sogar daraus einen werbewirksamen Nutzen für ihre Karriere zu ziehen.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting


Sam Shaw, Bert Stern oder Tom Kelley – in die Reihe derjenigen Fotografen, denen es gelang die schöne Schauspielerin vor die Linse zu bekommen, fügt sich als letztes Glied auch Allan Grant ein. Für den 6. Juli 1962 wird Grant vom LIFE-Magazin dazu beauftragt, ein Interview zwischen Marilyn Monroe und Richard Meryman fotografisch zu begleiten.
Nach ihrem plötzlichen Tod am 5. August 1962 erscheinen diverse zuvor unveröffentlichte Fotostrecken von ihr. Sowohl Stern als auch Grant nehmen beide für sich in Anspruch, das jeweils „letzte“ Shooting mit Marilyn Monroe gehabt zu haben.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting

Derjenige Fotograf, der sich damals ganz bewusst aus der Öffentlichkeit heraus hielt, ist Sam Shaw. Am besten verschafft ihr euch selbst einen Eindruck von den Fotografien und erfahrt mehr über das besondere Verhältnis zwischen Marilyn Monroe und Sam Shaw. Wer weiß, vielleicht findet ihr ja auch das Unerwartete.
Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie, bis zum 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.   


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
  Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting



Donnerstag, 18. Mai 2017

Gesucht und gefunden! Über das Unerwartete im Ausstellungsumbau – FINDING THE UNEXPECTED. SAM SHAW. 60 JAHRE FOTOGRAFIE eröffnet am 21. Mai

Autorin: Natascha Kurek

Endlich sind die Fotografien von Sam Shaw eingetroffen. Seit fast zwei Jahren reist die Ausstellungstournee der Shaw Family Archives nun schon durch die Welt: Gestartet in New York, war die erste Adresse das Cultural Center Cascais in Lissabon (Sep. – Nov. 2015). Nach einer Werkschau in Prag (Okt. 2016 – Jan. 2017) ging es direkt weiter ins Filmmuseum Potsdam (Feb. – Mai 2017).


Lieferung aus Potsdam


Kuratorin Nina Dunkmann nimmt die Lieferung aus Potsdam stolz in Empfang. Sam Shaw – der Mann mit der Kamera, stets auf der Suche nach dem Unerwarteten, wie er selbst immer zu sagen pflegte: „Ich persönlich suche, um zu finden. Das Unerwartete zu finden, an der nächsten Ecke, zu sehen, was passiert, ist für mich ein visuelles Abenteuer“. Als ob auch diese Tournee ein Abenteuer für den Fotografen wäre, scheint er seine Linse aus den Bildgrenzen heraus, auf die LUDWIGGALERIE zu richten.


Auf Rosen gebettet im Auto von
Philipp Valenta
Zusammen mit Sam Shaw begeben wir uns auf die Suche nach dem Unerwarteten – das Unerwartete im Ausstellungsumbau: Zunächst einmal muss Platz geschaffen werden; immerhin warten überall noch die Kunstwerke der LET’S BUY IT!-Ausstellung auf ihren Abtransport. Ein Kommen und Gehen steht an der Tagesordnung. Transportunternehmen, Leihgeber und Künstler trudeln fröhlich ein, um ihre Exponate wieder abzuholen.

So zum Beispiel auch Philipp Valenta, der sein Werk Auf Rosen gebettet (2014) persönlich abbaute. Es handelte sich hierbei um eine Installation, bestehend aus einigen Kissen; allerdings aus dem gleichen Stoff, wie die Geldsäcke der Deutschen Nationalbank. Einladend, fast schon provokant, waren diese kissenförmigen Geldsäcke während der Ausstellung auf dem Fußboden drapiert. Welcher Besucher wird bei diesem Anblick nicht dazu verleitet, sich genüsslich, wie Auf Rosen gebettet, in den Kissenberg zu werfen? Während die Museumsaufsichten 12 Wochen lang darum bangten, dass sich bloß kein Besucher auf die Kunstobjekte legt, kommt Philipp Valenta beim Ausstellungsabbau daher, klemmt sich die Kissen ganz lässig unter’n Arm, um sie anschließend im handwerklichen Pragmatismus einfach auf die Rückbank seines Autos zu packen. Sehr sympathisch und zudem: Der wohl ‚unkomplizierteste‘ Abbau in der Geschichte der LUDWIGGALERIE!

Ein wenig anders verhält es sich mit den restlichen Umbauarbeiten. Alle helfen mit! Es wird geschleppt, gestrichen, in den Tiefen überdimensional großer Boxen gewühlt und sogar die Fenster werden für die feierliche Ausstellungseröffnung am Samstag, den 20. Mai  blitzeblank geputzt.


Volontärin Linda Schmitz in vollem Körpereinsatz


Für die Vernissage am Samstag soll alles glänzen



Praktikantin Simone Rankl scheute sich vor keiner Arbeit

An solchen Tagen hilft nur Kaffee, Kaffee... und Kaffee! Und falls doch alle Stricke reißen, war auch für originale Campbell´s Dosensuppe gesorgt - ganz im Stil von Warhol





Bürostuhl des Oberbürgermeisters Daniel Schranz steht bereit zum
Rücktransport in das Oberhausener Rathaus 


Gerne erinnern wir uns zurück an die Performance von Künstlerin Christin Lahr, die dem Oberbürgermeister Daniel Schranz seinen Bürostuhl im Rathaus entwendete. Im Rahmen der Ausstellung LET’S BUY IT! war das Diebesgut in ihrer Installation Suche Kapital als unmittelbarer Ausdruck von Macht integriert. Nun wird der Bürostuhl wieder, wie versprochen, zurück ins Oberhausener Rathaus gebracht.
 
In den angelieferten Artcases der Shaw Family Archives verstecken sich die Fotografien von Sam Shaw  


Volontärin Linda Schmitz packt die Fotografien aus den Artcases, "und wohin kommt dieses Werk?"
Langsam leeren sich die Ausstellungsräume der LUDWIGGALERIE. Es wird Zeit, die angelieferten Artcases der Shaw Family Archives auszupacken. Direktorin Dr. Christine Vogt und Volontärin Linda Schmitz holen behutsam die Fotografien aus den Boxen. „Und wohin kommt dieses Werk?“ – DAS weiß nur Kuratorin Nina Dunkmann! Ein Blick auf den Raumlageplan und hopphopp weiter mit dem nächsten Bild, bitte – immerhin sind es insgesamt noch 230 gerahmte Fotografien, die allesamt ausgepackt, sortiert, gesäubert, gehangen und beschildert werden müssen.


Kuratorin Nina Dunkmann weiß Becheid

Als kleiner Vorgeschmack für euch: Exklusive Einblicke in die geheimen Kuratoren-Unterlagen:


Kuratorische Pläne zur Ausstellung
Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie



Wie die Ausstellung Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie letztlich aussehen wird, könnt ihr in dem Zeitraum  21.5.-17.9.2017 am besten selber herausfinden. Wir freuen uns auf euren Besuch! 



       


Montag, 3. April 2017

Wir hatten nichts Besseres zu tun! Ein Ausstellungsrundgang mit LAAS ABENDROTH



Autorin: Linda Schmitz


Wenn man dem Mülheimer Künstler Laas Abendroth eine Email über seine offizielle Homepage schreibt, dann steht in der Betreffzeile automatisch „Ich habe nichts Besseres zu tun“. Und genau diese Form des Humors ist es, die den Teilnehmerinnen von Schüler führen Schüler so gefällt. (Zur Beschreibung des Projekts "Schüler führen Schüler siehe Blogeintrag vom 27.3.2017)
Die Kunst von Laas Abendroth ist schwer in Worte zu fassen – findet er doch schon selbst die besten Worte innerhalb seiner Kunstwerke. Im gemeinsamen Rundgang mit ihm durch die Ausstellung Let’s buy it! ermöglichen seine Aussagen auch viel Gesprächsraum für uns Betrachter.



Laas Abendroth und die Teilnehmerinnen von "Schüler führen Schüler" beim gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung "Let's buy it" © LUDWIGGALERIE
Sie können auch mal was tun für mein Geld von Laas Abendroth © Laas Abendroth
Immer wieder trifft man in Abendroths Oeuvre auf Leinwände, Keilrahmenfragmente und Leinwandbausätze. Das in der Ausstellung eingangs präsentierte Werk „Sie können auch mal was tun für mein Geld“ ist genau so ein Bausatz. „Mich hat das von Anfang an an Ikea erinnert“, meint Ina. Laas nimmt dieses Werk zum Anlass um seine Herangehensweise zu erklären. Er setzt seine Leinwände immer selbst zusammen und bespannt sie danach. „Das hat für mich sowas beruhigendes. Ich mache das mittlerweile quasi automatisch und man muss nicht so viel darüber nachdenken und wenn man damit fertig ist hat man schon was in der Hand. Es ist also ein guter Start in den Arbeitsprozess.“

Laas Abendroth und die Teilnehmerinnen von Schüler führen Schüler im Gespräch über "den Feuerlöscher" © LUDWIGGALERIE
„Bitte im Brandfall nicht auf meine  Bilder richten! Danke, Laas“ steht auf einem weißen Zettel, der auf einen Feuerlöscher geklebt wurde. Der Feuerlöscher gehört im übrigen gar nicht Laas, sondern der LUDWIGGALERIE J „Manchmal wird der Feuerlöscher falsch verstanden. Denn eigentlich ist das unter Künstlern so, verbrannt ist wie verkauft. Wenn etwas verbrennt zahlt ja die Versicherung. Also eigentlich gut für einen Künstler. Aber ich mag meine Sachen! Sie sollen nicht verbrennen! Trotzdem muss Kunst wieder weniger werden (zeigt auf sein Kunstwerk Kunst muss wieder weniger werden) also vor allem meine Kunst, aber natürlich durch Verkauf J
Dieses Kunstwerk gehört zu den Lieblingsobjekten der Teilnehmerinnen von Schüler führen Schüler © Laas Abendroth
„Der Feuerlöscher ist unser Liebling“, sagt Iliana. „Wir kamen bei unserem ersten Besuch in die zweite Etage und da stand dieser Feuerlöscher – ich hab nur draufgeguckt und wusste sofort: Das ist von Laas!“ Die Schülerin beschreibt das Phänomen sehr treffend. Laas Abendroths Aussagen haben einen enormen Wiedererkennungswert und bleiben dabei doch unvorhersehbar. Und sie ziehen sich tatsächlich durch die gesamte Ausstellung! Sein Werk Geld auf Leinwand befindet sich daher, sehr treffend, neben dem millionenschweren Gemälde Mutter und Tochter von Gerhard Richter.
Abschluss des gemeinsamen Rundgangs vor "Das lasse ich mir von einem Kurator nicht denken" © LUDWIGGALERIE



Zunächst bleiben wir aber vor einer anderen Arbeit stehen Das lasse ich mir von einem Kurator nicht denken. Laas berichtet von dem Phänomen der Überinterpretation. So mancher Künstler hat wohl schon erlebt, dass Kunsthistoriker sich mit den Deutungen überschlagen. Aber das ist ja auch das Schöne an der Kunst – sie eröffnet Raum zum Denken. Was richtig und was falsch oder was gar Intention ist, kann und muss dabei auch nicht unbedingt ausfindig gemacht werden. Sophie verweist auf eine Frage, die wir wohl alle schon einmal vom Lehrer gehört haben „Und was hat sich der Künstler dabei gedacht?“. Gut dass wir Laas dabei haben, dann können wir den Künstler mal persönlich fragen!


Liebe Grüße an alle Leser und bis bald,


Linda

Montag, 27. März 2017

Museum macht Schule


Autorin: Linda Schmitz


Seit Anfang Februar freue ich mich immer auf Donnerstag! Ja, natürlich wegen Germanys Next Topmodel aber erst mal wegen des Projekts "Schüler führen Schüler".
Die Teilnehmerinnen des Projekts "Schüler führen Schüler" auf Kunstshoppingtour in der Ausstellung "Let's buy it" © LUDWIGGALERIE
Mit diesem Blogbeitrag möchte ich euch heute einen persönlichen Einblick in meine museumspädagogische Arbeit in der LUDWIGGALERIE geben. Jeden Donnerstag um 14.00 Uhr (nicht zu verwechseln mit "Jeden Freitag um 13.30 Uhr" - das ist ein anderes Projekt :) siehe Blogbeitrag vom 17.3.2017) also, jeden Donnerstag um 14.00 Uhr kommen Ina, Anais, Jessica, Iliana, Sarah, Katharina und Sophie zu uns in Schloss. Die Schülerinnen des Elsä-Brändström-Gymnasiums erarbeiten gemeinsam einen Rundgang durch die Ausstellung "Let's buy it!" Im Mai werden sie dann Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung führen und mit ihnen über die Kunstwerke sprechen. Aber jetzt erst mal zurück auf Anfang!
Vor dem Gemälde Aldi von Axel Brandt © LUDWIGGALERIE
"Also wir fangen mit dem Früchtestillleben an!", sagt Sarah. "Hallo?! Willst du, dass die uns direkt am Anfang wegpennen? Nein nein, wir fangen mal schön mit der Alditüte an!" Sarah und Katharina werden gemeinsam mit Iliana eine Gruppe von Kindern führen. Sie diskutieren, wo sie am besten beginnen können. Da die Alditüte von Axel Brandt das Lieblingsbild aller Teilnehmer (außer eben von Sarah) ist, fängt die Gruppe genau mit diesem monumentalen Gemälde an. "Und wie können wir jetzt einsteigen? Was könntet ihr fragen, um eure Besucher für das Kunstwerk zu interessieren?" frage ich die Schülerinnen. "Was ist das? Oder was sieht man hier?", schlägt Iliana vor. "Man erkennt ja nicht sofort, dass es eine Alditüte ist, aber wegen der Farben und dem bisschen Schrift natürlich schon." Gemeinsam sprechen wir über das Kunstwerk. Ergründen warum es den Mädels so gut gefällt, beschreiben die Herangehensweise des Künstlers und klären in welchem Bezug es zu der Ausstellung steht bzw. warum es hier hängt. Über diese Punkte sprechen wir vor allen Kunstwerken, die die Schülerinnen innerhalb der letzten Wochen ausgesucht haben.

Hier folgt ein interessierter Blick auf Bauhaus Receipt No. 281 von Ruben Aubrecht © LUDWIGGALERIE
Ich seh nur Karos! Vor Container von Axel Brandt © LUDWIGGALERIE
Die Schülerinnen sind zunächst alleine durch die Ausstellung gegangen und haben sich notiert, was sie interessant finden und welche Fragen sich ergeben. Im Anschluss sind wir gemeinsam durch das Museum gegangen, haben alles zusammen besprochen und Werke ausgewählt, die sich besonders gut für eine Kunstvermittlung mit Kindern und Jugendlichen eignen.
Mutter und Tochter von Gerhard Richter darf bei keinem Rundgang fehlen! © LUDWIGGALERIE
Inzwischen stehen wir vor Mutter und Tochter von Gerhard Richter. Wie können wir hier das Gespräch über das Kunstwerk eröffnen? Welche Fakten und welches Wissen ist wirklich interessant? Was muss unbedingt gesagt werden? Mittlerweile sind wir 90 Minuten im Gespräch über die Kunst und langsam rauchen die Köpfe. "Kaffepause?" fragt Jessica. Na klar, bei den ersten Sonnenstrahlen im Innenhof lässt sich das bisher Gesehene doch besonders gut reflektieren. Wir besorgen uns im Lesecafé einen Latte Macchiato und setzen uns in den Innenhof. So ein halber Schultag im Museum kann doch ganz entspannt sein :)


Führungen von Anais, Iliana, Katharina, Jessica, Sophie und Sarah können unter (0208) 41249 28 gebucht werden. Folgende Daten stehen zur Verfügung: 2.5., 4.5.,9.5. und 11.5.


Bis die Tage und liebe Grüße,


Linda

Freitag, 17. März 2017

LUDWIGCHARTS - liken, präsentieren, kleben

Autorin: Linda Schmitz


Freitag, 13.30 Uhr – los geht’s mit dem Kulturtaxi von der Hauptschule Alstaden ins Schloss Oberhausen. Simone, Elora und Sarah sitzen während der Fahrt nebeneinander. Sie sind drei von insgesamt sieben Jugendlichen, die bei den LUDWIGCHARTS mitmachen. Es ist bereits der siebte Freitag in Folge, an dem die SchülerInnen für das Projekt in die LUDWIGGALERIE fahren. 



Im Lesecafé wartet neben einem Mittagssnack auch schon das Projektteam; bestehend aus Ulla, Sabine, Eva, Linda, Kevin, Axel und Barbara. Sie nehmen die Jugendlichen in Empfang und versorgen alle mit Cappuccino, Orangina und Cola. Das gemeinsame Mittagessen ist jede Woche ein wichtiger Start. Hier werden aktuelle Befindlichkeiten ausgetauscht, das Eis gebrochen und das bevorstehende Wochenende eingeläutet.


Kevin mit Kamera © LUDWIGGALERIE
Dass Kevin Casper einen Großteil der Gespräche mit seiner Kamera festhält ist für viele Teilnehmer zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt, dass nicht nur Kevin sondern auch Eva Depenbrock mit der Kamera unterwegs ist. Auch Simone findet Gefallen an der Kamera und filmt, was ihr unter die Linse kommt. „HAHA, ich hab dich richtig nah rangezoomt! Das Bild ist cool – man kann das total scharf stellen.“ Auch das gehört mit zum Projekt – Kameras ausprobieren, gegenseitiges Filmen, die eigene Wahrnehmung schulen.
Und Simone mit Kamera © LUDWIGGALERIE



Der wichtigste Punkt des Tages folgt jedoch erst gleich gegenüber in der Ausstellung Let’s buy it. Hier haben die SchülerInnen gemeinsam die Ausstellung besichtigt und aus allen Werken ihre 10 Lieblingsbilder – die TOP TEN ausgesucht. Ihre Aufgabe wird es sein als PEERTEAMER Gleichaltrigen, aber auch Grundschülern diese zehn Lieblingsbilder vorzustellen. Zu jedem der Kunstwerke wird es Sticker geben, die dann jeder Besucher der LUDWIGCHARTS auf einer Sammelkarte einkleben darf.
Shop the Pain Away von Katharina Arndt wird hier manuell von Elora und Simone geliked © LUDWIGGALERIE
Aber auch Darius und Leon können sich mit dem Kunstwerk anfreunden: Gehört in die TOP TEN! © LUDWIGGALERIE 

Zunächst aber steht für heute das Körpertraining an!
„HA!“ schreit Barabara, „HA!“ schreien alle im Kreis zurück. Es geht weiter mit „Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“ „NÄ!“ und „Bah!“ Mit vielen kleinen Sprechübungen werden Stimmwirkung und unterschiedliche Betonungen ausprobiert. Aber nicht nur die Stimme wird geschult sondern auch, wie man standfest wird und sein Lieblingskunstwerk bestmöglich präsentiert. „Und worauf müsst ihr jetzt achten?“, frage ich die Jugendlichen abschließend. „Wichtig ist vor allem aufrecht zu stehen und seine Arme nicht abwehrend vorm Körper zu verschränken“, erklärt Melissa.


Körpertraining mit Barbara © LUDWIGGALERIE


Auf Twitter zeigen wir euch dann in der nächsten Woche wie es aussieht, wenn man Zungenbrecher mit Korken bzw. Waffelröllchen im Mund spricht J

Außerdem: Körperhaltungs no-gos!




Die Fakten:

Mit ihrer Idee der LUDWIGCHARTS sicherten sich die Projektleiterinnen Ursula Bendorf-Depenbrock und Sabine Falkenbach noch bis Ende 2017 die volle Förderung durch Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Der Deutsche Museumsbund fördert die LUDWIGCHARTS seit 2013 im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Zum Projektteam gehören: Ursula Bendorf-Depenbrock, Sabine Falkenbach, Eva Depenbrock, Kevin Casper, Barbara Grubenbecher, Axel Scherer und Linda Schmitz.


Am 31. März führen die PEERTEAMER durch ihre TOP TEN und wir eröffnen die LUDWIGCHARTS Ausstellung feierlich in der Artothek. Wer reinschauen mag - jeder Gast ist herzlich willkommen! Am 1. und 2. April stehen die Türen der Artothek ebenfalls für jeden Besucher offen! Hier können dann Porträtfotografien der Teilnehmer sowie eine fotografische und filmische Dokumentation des Projekts betrachtet werden. Und das wichtigste: Die TOP TEN-Sticker dürfen auf Sammelkarten geklebt werden :)

 


Liebe Grüße an alle Leser,


Linda