Donnerstag, 19. April 2018

Factory Party in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Erstmalig seit dem Bestehen der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen wurde mit der FACTORY PARTY der Auftakt für ein alternatives Veranstaltungsformat gemacht. Den kunsthistorischen Kontext dafür bildet Andy Warhols Silver Factory, die in den 60ern ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der New Yorker Kunst- und Partyszene ist. Hier wird Kunst wie am Fließband produziert und – es wird auch ordentlich gefeiert! Als Kuratorin der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! sah sich Nina Dunkmann „in der Pflicht“, diesem Lifestyle nachzuspüren.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Allein die Getränkekarte gleicht einer Storyline durch die damalige Zeit: Nach einem Silver Factory Sparkle (Sekt) konnte man sich zusammen mit Edie Sedgewick (Gin Tonic) auf den Weg ins Studio 54 (Campari Orange) begeben. Vor lauter Jet-Set (Weißwein) musste man aufpassen, dass man sich keine von Brando’s Fist (Bier) einfängt. Deshalb gab es zwischendurch mal eine Slim Twiggy (Wasser). Mit Yellow Submarine (Bluna) im Hintergrund läuft auch der radikalste Love-In (Rotwein). Ansonsten griff der ein oder andere auch zur Poke’s Speed Injection (Pepsi).
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Eine Poke’s Speed Injection hat sich eventuell auch Fotograf Axel J. Scherer gewünscht, als er bei seiner SPEED-Führung eine beachtliche Gruppe von Besuchern durch SHOOT! SHOOT! SHOOT! führte. Immerhin legt DJ Strangelove im Museumsfoyer bereits in voller Lautstärke MUSIC! der 60er und 70er auf.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Musik, Literatur, Film, Kunst, Performance oder Fotografie; eine intermediale Verschmelzung verschiedener Disziplinen des künstlerischen Ausdrucks – ganz so wie auch die echte Silver Factory, die den damaligen Mitgliedern und Besuchern gleichermaßen als Party-Location, Konzertsaal, Redaktion oder Atelier diente. Da wundert es nicht, dass in der Lounge nebenan zur selben Zeit schon das erste Polaroid-Foto-SHOOTING stattfindet.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Eine Etage höher wird gedruckt was das Zeug hält! Als Begründer der Pop Art, ist es Andy Warhol, der in den 60ern das industrielle Siebdruckverfahren zur Kunstform erhebt. Und so darf auch auf der FACTORY PARTY auf keinen Fall ein WORKSHOP für Siebdruck fehlen! Mit vorgefertigten Sieb-Schablonen konnten sich die Gäste ihre Taschen oder T-Shirts bedrucken. Zu Warhols bekanntesten Siebdruck-Motiven zählt unter anderem die Banane, die er 1967 als Platten-Cover seiner Band „The Velvet Underground & Nico“ vermarktet.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Und so funktioniert‘s: Mit einem Rakel trägt man Farbe auf ein feinmaschiges Sieb auf. An den farbdurchlässigen Gewebestellen dringt die Farbe auf den Stoff – an den dichten Gewebestellen wiederum nicht. Aus dieser abwechselnden Gewebedichte des Siebs entsteht letztlich das Motiv.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Damit die Farbe auch durch die kleinste Öffnung im Siebgewebe dringen kann, ist es beim Farbauftrag mit dem Rakel wichtig, Druck auszuüben. 

Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Manch Einer musste improvisieren um beim WORKSHOP teilzunehmen: So zum Beispiel die beiden Mülheimer Rolf und Detlef. Stilecht im Look der 60er und 70er erschienen die beiden auf der FACTORY PARTY. Rolf bedruckte spontan sein schwarzes Unterhemd mit dem kultigen Andy Warhol-Porträt. 
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Und auch Detlef wollte sich dieses Angebot nicht entgehen lassen und ist nun stolzer Besitzer einer einzigartigen Andy Warhol-Jacke. Großartig, das ist wahrer Rock ’n’ Roll!
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zur selben Zeit findet nebenan die nächste SPEED-Führung statt: Diesmal führen Schülerinnen des Elas Brändström Gymnasiums eine kleinere Besuchergruppe durch SHOOT! SHOOT! SHOOT!.
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ein wahres Jetset-Leben auf dieser FACTORY PARTY! Da darf ein kleiner Snack zwischendurch nicht fehlen! Ob bunte Brause, weiße Mäuse, Lakritzschnecken oder Esspapier – an der CANDY-Bar durfte man sich eine gemischte Tüte Nostalgie zusammenstellen.  
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zwischenzeitlich heizt DJ Strangelove die Tanzfläche ordentlich an! 
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Das Team der LUDWIGGALERIE dankt allen Gästen für diesen gelungenen Abend! Wir hoffen sehr, dass es nicht die letzte Veranstaltung dieser Art war.
Die Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! Fotografien der 60er und 70er Jahre aus der Nicola Erni Collection  ist noch bis zum 27. Mai 2017 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.

+++ 2018 feiert die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen 20-jähriges Jubiläum +++
Factory Party, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Autorin: Natascha Kurek

Freitag, 13. April 2018

Social Media- und Bloggertag: #STAR #SHOOT



Social Media- und Bloggertag, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ob Paparazzi-Foto oder aufwändig inszenierte Studio-Aufnahme – der Titel SHOOT! SHOOT! SHOOT! bezeichnet das fotografische Blitzlichtgewitter, das für die Ausbildung eines Star-Images unverzichtbar ist. Anhand ausgewählter Fotografien aus der Nicola Erni Collection ging es beim Social Media- und Bloggertag um verschiedene Formen des Star-Kults.


Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
An der Seite von Factory-Begründer Andy Warhol avanciert die gerade mal 22-jährige Edie Sedgwick zum Star der New Yorker Partygesellschaft. Doch aus welchem Grund ist sie überhaupt ein Star? Sie verfügt über keine außergewöhnlichen Talente. Andy Warhol kürt sie zur Queen seiner Factory  – zu seiner Muse, seiner ganz persönlichen Stilikone, die ihn ein Jahr lang überall hin begleitet. Heute würde man sie als „It-Girl“ bezeichnen.

Das It-Girl

Welche It-Girls kennen wir aus der heutigen Zeit? In unserer Runde fällt der Name Paris Hilton. „Aber die ist ja auch schon wieder fast von gestern.“ Wie wäre es mit Bianca Heinicke? Auf ihrem YouTube-Kanal BibisBeautyPalace veröffentlicht sie seit 2012 selbstgedrehte Videos mit Kosmetik- und Modetipps. Für jeden Klick ihrer verlinkten Produktangebote kassiert sie anteilig Geld vom Hersteller. Mit einer Abonnenten-Zahl von fast 5 Millionen Followern ist die 25-Jährige schwer im Geschäft. In der letzten Ausgabe der Teenie-Zeitschrift Popcorn ist sie das Motiv eines Posters. Das bedeutet, dass sie zumindest in Teenie-Kreisen als Star gilt.

Die Influencerin
Doch zu Recht wirft jemand in unserer Diskussionsrunde ein, dass es zweifelhaft ist, ob der YouTuberin Bianca Heinecke „nur“ die Rolle eines It-Girls zukommt. Immerhin ist sie selbstständige Großverdienerin, die vom Manager Magazin als eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft 2017 gewählt wurde. „Sie ist eine Influencerin! Man könnte sie eher mit Andy Warhol gleichsetzen, der zu seiner Zeit ja auch ein Meinungsmacher war.“ Stimmt schon, denn nur so konnte er Edie Sedgwick zur Kultikone erheben. Man merkt: Unsere Blogger sind kritische Diskussionspartner!

Wie entsteht ein Star-Image?
Von Andy Warhols Silver Factory aus ziehen wir weiter in die nächste Etage der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!. Auf goldgestrichenen Wänden begegnen uns hier die Stars der damaligen Musikszene. The Rolling Stones, The Velvet Underground und selbstverständlich: The Beatles. 1964 kommt die Single I Want to Hold Your Hand auf Platz 1 der US-amerikanischen Charts. Zur selben Zeit begleitet der Fotograf Harry Benson die Band auf ihrer Antrittstour durch Amerika und Europa. In einem Pariser Hotelzimmer entsteht seine berühmte Fotostrecke, die eine Kissenschlacht zwischen den Bandmitgliedern zeigt. Eine Situation, die Authentizität und Coolness ausstrahlt. Aber Moment mal! In unserer Diskussionsrunde kommt Skepsis auf: „Schon seltsam, dass ausgerechnet bei dieser ach so spontan entstandenen Kissenschlacht zufällig der Fotograf vor Ort war!“ Ganz egal ob inszeniert oder real – dem Fotografen ist es gelungen ein positiv konnotiertes Image der Band zu visualisieren. Weltweit erscheint die Fotostrecke in der Presse.


Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Der Fan
Beatlemania  so nannte man die weltweite Euphorie, die in den 60ern um die britische Pop-Band entstand. Gibt es heutzutage einen Star, um den ein vergleichbarer Fan-Kult betrieben wird? Gemeinsam betrachten wir ein Internet-Foto aus dem Jahr 2015. Zu sehen ist eine Schar tränenverschmierter Mädels. Auf ihren selbstgebastelten Plakaten erkennen wir ein Herzchen und da drunter die Initialen JB. Alles klar, es handelt sich hier um die Fans von Superstar Justin Bieber! (Der Blogger Norbert Schaldach hat am Ende der Veranstaltung ein Poster von Justin Bieber geschenkt bekommen: www.emschermensch.de) Wir denken zurück an unsere Teenie-Zeit. „Nein, so war ich nie!“. Keiner aus der Runde will es zugeben. Im weiteren Diskussionsverlauf einigen wir uns darauf: „Es ist die Pubertät!“. In dieser Phase ist man eben anfällig für dieses Fan-Phänomen. Aber wieso eigentlich?

Der Fan wird zum Star
Der Star dient dem Fan als Projektionsfläche für Ideale; als überidealisiertes Objekt der Begierde oder wahlweise auch als Identifikationsfigur. In den vergangenen Jahren hat sich ein interessanter Trend entwickelt: Auf der Internet-Plattform www.musical.ly können Nutzer ein selbstgedrehtes Musikvideo von sich hochladen. In einer Kombination aus Tanz und Lippensynchronisation wird der Lieblingssong performt und ins Netz gestellt. Die damals 13-jährigen Zwillinge Lena und Lisa haben diese „Disziplin“ perfektioniert. Ergebnis: 12 Millionen Follower. Sie sind nicht nur Social Media-Stars. In einer Zeitschrift für Jugendliche werden ihre Gesichter als „Star-Sticker“ gedruckt. 2016 und 2017 erfolgen Award-Auszeichnungen. Erstaunlich wie Internet und Social Media die Mechanismen des Starkults verändern!

Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Vom Nobody zum Top-Model
Es geht hinauf in die zweite Etage der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! und dort entdecken wir viele schöne Frauen und aufwändig produzierte Set-Fotografien. Der Raum eröffnet uns einen Einblick in die Fashion-Fotoshootings der 60er und 70er Jahre. Ganz gleich ob im Studio oder unter freiem Himmel – das Model ist dem Fotografen nicht mehr bloße Kleiderstange sondern ein lebendiger Bestandteil der Bildkompostion.


Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
In der 1967 entstandenen Fotografie post Twiggy betont lässig vor einem Op-Art Kunstwerk von Bridget Riley. Bert Stern schoss das Foto damals für die Vogue. Gibt es heutzutage solche Models überhaupt noch? Unsere Blogger verweisen auf die Ära der Supermodels mit Naomi Campbell, Claudia Schiffer oder Cindy Crawford. Innerhalb unserer Diskussionsrunde stellen wir fest: Um in der Werbung aufzutauchen, braucht man nicht mehr zwangsweise „Model“ zu sein. Häufig sind es Stars aus Film, Fernsehen und Musik, die ein bestimmtes Produkt vermarkten.

Social Media- und Bloggertag, SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Fazit: Heute kann jeder ein Star werden
Welche Rolle spielen heutzutage noch Magazine wie Vogue oder Harpers Bazaar? Ist es immer noch die extravagante Designer-Mode vom Laufsteg, die aktuelle Trends hervorbringt? Oder haben diese Rolle längst die Street-Style-Blogger übernommen? Durch Social Media ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Egal ob Facebook, Instagram, Twitter oder YouTube: Ein angelegter Account ermöglicht es JEDER Person, sich im Internet selbstbestimmt zu inszenieren. Im Gegensatz zu den traditionellen Massenmedien (Zeitung, Radio, Fernseher) können Informationen einfacher, schneller und vor allem kostenneutral in die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Aber auch im traditionellen Medium Fernsehen zeichnet sich seit 2000 eine ähnliche Entwicklung ab: Casting Shows sprießen weltweit aus allen Ecken. 2018: Aktuell wird die mittlerweile 13. Staffel Germanys Next Topmodel ausgestrahlt. Das Publikum verfolgt den Prozess, wie ein Nobody zum Topmodel wird. Und die Kandidatinnen haben schon jetzt zahlreiche Follower!
Vielen Dank an alle Teilnehmer des Social Media- und Bloggertages! Es war eine befruchtende Diskussion! Hier noch ein weiterer Artikel (www.oberhausenimblick.de) vom Blogger Matthias Kwasnitza.
Die Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! ist noch bis zum 27. Mai 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Mach dir eine eigene Meinung zu dem Thema und teile sie uns über unsere Social Media-Kanäle mit:

Autorin: Natascha Kurek


Mittwoch, 28. März 2018

"Oh, what, wow… He's the greatest dancer,…

…that I've ever seen", ertönt es in der LUDWIGGALERIE. Wir schreiben das Jahr 1979 und die neue Single von Sister Sledge erobert gerade die Charts. Im Hintergrund an der Wand: das Filmplakat von Saturday Night Fever (1977). Während die Bee Gees "Night fever, night fever… We know how to do it!" trällern, streckt John Travolta – mit weißer Schlaghose –  den Zeigefinger in die Höhe und lässt die Frauenherzen höher schlagen.

Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Gerade eingeflogen aus London, Paris oder Mailand. Eben noch den Pelz umwerfen, in die High Heels schlüpfen und ab in den Club! Vom Musiker über Künstler bis hin zum Fotografen, Schauspieler oder Modell – die Jet Set-Society feiert bald in Oberhausen. Cheers auf die Swinging Sixties! Es glitzert, es ist bunt. Flower Power und Peace! FÜR den Weltfrieden und FÜR die Freiheit des Individuums. Man geht auf die Straße, man geht auf die Bühne. Es lebe der Rock 'n' Roll.

Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

PARTY! PARTY! PARTY! In den 60er und 70er Jahren pulsiert das New Yorker Nachtleben: Nach der Performance in Andy Warhols Factory zieht man weiter ins Halston House oder ins Studio 54. Mit dem Fotoapparat um den Hals, stets gewappnet für den besten Schnappschuss! Es ist der 13. April 1967. Heute treten The Velvet Underground & Nico auf dem „Trampoline-Opening“ der New Yorker Disco The Gymnasium auf. Auch Papparazzo Ron Gallela lässt sich das Event nicht entgehen. Hier entsteht sein Schnappschuss von Nico, die sich während der Party auf ein Trampolin schwingt. Das von Andy Warhol produzierte Debütalbum von Velvet Underground kommt in diesem Jahr auf den Markt.
Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
2018 – rund 51 Jahre später, findet am Samstag, den 14. April 2018, 19-22 Uhr, die FACTORY PARTY in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen statt. #MUSEUMatNight. Eine Zeitreise zurück in die Ära der 60er und 70er Jahre! Folgende Highlights erwarten euch:



FACTORY PARTY am Samstag, den 14.4.2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



MUSIC! der 60er und 70er Jahre mit DJ Strangelove
DRINKS! an der Cocktail-Bar
DANCING! unter der Discokugel
WORKSHOP! mit Siebdruck für T-Shirts und Papiertüten (Wer ein T-Shirt bedrucken möchte, bringt sich bitte ein vorgewaschenes T-Shirt mit)
SHOOTING! in der Lounge
SPEED-Führungen durch die Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT mit Dipl. Fotodesigner Axel J. Scherer und Schülerinnen vom Elsa-Brändström Gymnasium

Die FACTORY PARTY ist kostenfrei in Verbindung mit dem Museumseintritt. Es besteht KEINE Verkleidungspflicht!  
Lounge in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! Fotografien der 60er und 70er Jahre aus der Nicola Erni Collection ist noch bis zum 27. Mai 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.


Studio 54, New York, c. 1977-79 © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York; © 2017 LUDWIGGALERIE
Autorin: Natascha Kurek


Montag, 19. März 2018

Andy Warhol‘s Factory in Oberhausen

Grace Jones and Andy Warhol, Studio 54, New York, 1978 © Ron Galella, Ltd.; © 2017 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Wenn man die aktuelle Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen besucht, durchschreitet man zunächst einen silbernen Raum. Wir betreten die Sphäre von Andy Warhol‘s Silver Factory – ein mit Alufolie tapeziertes Loft in New York, das Ende der 1960er von den Factory-Mitgliedern als Atelier, Filmstudio, Konzerthalle oder Literaturhaus genutzt wird.

Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Das Experimentieren mit alternativen Kunst- und Lebensformen ist hier an der Tagesordnung. Neben der kreativen Entfaltung in der Factory dient auch das nächtliche Party-Leben als wichtige Begegnungsfläche. So trifft man sich außerhalb der Factory noch im Studio 54 oder im Halston House zum ausgelassenen Feiern. Ein Sehen und Gesehen-Werden.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Das Posieren vor der Kamera gleicht einem performativen Akt. Mit dem ‚Party-Schnappschuss‘ wird die Fotografie zu einem wichtigen Bestandteil des Party-Geschehens. Die Nicola Erni Collection versammelt in der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! ca. 200 Fotografien, die exklusive Einblicke in den Life-Style der Künstler- und Promiszene liefern. Nahezu spürbar ist die pulsierende Atmosphäre der damaligen Zeit.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Das Jet-Set-Leben vereint prominente Gesichter der 60er und 70er Jahre aus den unterschiedlichen Metropolen der Welt. Allein im ersten Ausstellungsraum der LUDWIGGALERIE begegnen uns Weltstars, wie Frank Sinatra, Bianca und Mick Jagger, Bob Dylan, Elton John, Arnold Schwarzenegger, Jerry Hall, Truman Capote, Liza Minnelli, Grace Jones, David Bailey oder Edie Sedgwick.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Auffallend häufig erscheint Andy Warhol auf den Fotografien, die von namenhaften Fotografen, wie Richard Avedon oder Helmut Newton stammen. Andy Warhol beim  Erstellen seiner Siebdrucke. Andy Warhol beim ausgelassenen Feiern mit seinem Superstar Edie Sedgwick. Andy Warhol im Bett mit David Bailey.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Als Begründer und vielseitig agierender Protagonist der Factory wird Andy Warhol zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt der New Yorker Szene. Neben seiner Tätigkeit als Künstler und Fotograf, ist er zudem auch als Manager seiner Band The Velvet Underground sowie als Film-Regisseur aktiv.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Eine Position, die ihm eines Tages zum Verhängnis wird: Am 3. Juni 1968 wird Andy Warhol Opfer eines Attentats. Die geistig verwirrte Valerie Solanas – ein ehemaliges Factory-Mitglied – wirft Warhol vor, ihr ein Drehbuch gestohlen zu haben. Vor den Räumen der Factory lauert sie ihm auf und schießt dreimal auf ihn. Warhol wird lebensgefährlich verletzt und ist längere Zeit im Krankenhaus.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Doch auch dieses Ereignis vermarktet Warhol medienwirksam: Die großformatige Aufnahme von Richard Avedon zeigt Andy Warhol‘s nackten Oberkörper, der durch die Einschusslöcher stark vernarbt ist. Diese sowie weitere Fotografien, rund um die skurrilen Geschehnisse und Persönlichkeiten der Factory, sind noch bis zum 27. Mai 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen.
Ausstellungsansicht SHOOT! SHOOT! SHOOT!, 2018 © LUDWIGGALERIE, Axel J. Scherer
Autorin: Natascha Kurek 

Montag, 26. Februar 2018

In was für einer Welt leben wir eigentlich? Über 100 Fotografien geben Antwort auf diese Frage


Preisverleihung und Ausstellungseröffnung SHOOT NOW!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Angelehnt an die Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT!, die mit etwa 200 Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Nicola Erni Collection das Lebensgefühl der 1960er und 1970er Jahre aufleben lässt, widmet sich der Fotowettbewerb SHOOT NOW! der Frage: In was für einer Welt leben wir eigentlich? Wodurch zeichnen sich die 2000er und 2010er Jahre aus? Bis zum 4. Februar 2018 hatten BewerberInnen mit einem Mindestalter von 16 Jahren Gelegenheit, Beiträge für den Fotowettbewerb einzureichen. Zur Auswahl standen hierbei fünf Themenkategorien, die sich ganz bewusst an das kuratorische Konzept der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! anlehnen: PARTY & POLITICS! MUSIC! MOVIE STARS! FASHION! WOMEN ARE BEAUTIFUL!

Um einen ästhetischen Kontrast zu den Fotografien der 1960er und 1970er Jahre zu wahren, bestand eine wichtige Reglementierung des Fotowettbewerbs SHOOT NOW! darin, dass keine Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingereicht werden durften. Gefordert waren also Farbfotografien, die das Lebensgefühl unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.


Preisverleihung und Ausstellungseröffnung SHOOT NOW!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen


Preisverleihung und Ausstellungseröffnung SHOOT NOW!, 2018 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Vom Hobbyfotografen über Fotografiestudenten bis hin zum Profi – insgesamt haben sich 52 Fotografen und Fotografinnen im Alter von 16 bis 74 Jahren dieser Herausforderung gestellt. Aus den 125 eingereichten Beiträgen wählten die Jurymitglieder Nina Dunkmann (Kuratorin), Axel J. Scherer (Fotograf und Fotodesigner) und Natascha Kurek (Initiatorin des Fotowettbewerbs) 60 Arbeiten für die Ausstellung SHOOT NOW! aus. Die übrigen 65 Beiträge werden über eine Tablet-Präsentation in die Ausstellung eingebunden.


       1. Platz, SHOOT NOW!, 78 Cent, LUDWIGGALERIE © Nicoletta Poungias

Bei der Ausstellungseröffnung und Preisverleihung am Wochenende wurden die drei besten Fotografien mit Geldpreisen im Wert von 250 Euro, 150 Euro und 100 Euro prämiert. Nicoletta Poungias (24) aus Essen ist die Siegerin des Fotowettbewerbs SHOOT NOW!. Bei der Jurysitzung standen gleich drei ihrer Werke in der engeren Auswahl. Ihre Siegerarbeit trägt den Titel 78 Cent und ist ein Beitrag für die Themenkategorie PARTY & POLITICS. Es handelt sich um ein Selbstporträt, das mithilfe eines Stativs und eines kamerainternen Intervallauslösers entstanden ist. Somit ist es die Fotografin selbst, die hier mit einem roten Lippenstift den saloppen Satz „feminist as fuck“ auf einen Spiegel schreibt. Durch die Spiegelung und die gewählte Aufnahmeperspektive verschränken sich zwei Bildräume ineinander, wodurch ein Spiel mit Schärfe und Unschärfe entsteht. Im Zentrum der Aufnahme steht ganz offensichtlich der rote Schriftzug, wobei die Wahl des Schreibwerkzeugs und des Schreibuntergrunds, wie auch die Wahl des Sprachausdruckes verwegen und rebellisch anmuten. Ausgerechnet mit einem roten Lippenstift, der eigentlich ein Produkt der Schönheitsindustrie ist, schreibt sie jenen feministisch entschlossenen Satz auf den Spiegel.  Nicht nur strahlt die Aufnahme Spontaneität und Lebenslust aus – zugleich verweist der Titel 78 Cent auf einen höchst aktuellen politischen Missstand: „Der Titel bezieht sich auf die ‚gender pay gap‘, also die ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit bei Männern und Frauen. Frauen verdienen im Schnitt 22% weniger – also  78 Cent gegenüber 1 € beim Mann“, so Nicoletta Poungias über ihre Fotografie.


2. Platz, SHOOT NOW!, Mariann, LUDWIGGALERIE © Tomoya Imamura
 
Der Zweitplatzierte ist Tomoya Imamura (26) aus Essen. Seine Fotografie trägt den Titel Mariann und ist der Themenkategorie WOMEN ARE BEAUTIFUL zugeordnet. Eine junge Frau namens Mariann posiert mit Medaillen um ihren Hals vor einem Wandregal mit aufgereihten Pokalen. Die Aufnahme entstand in Ungarn. Die Pokale gehören der Mutter des Fotografen – einer ungarischen Tischtennisspielerin. Besonders beeindruckt hat die Jury hier die Wahl des Bildausschnittes sowie die Rolle der Umgebung im Porträt. Mit dem drapierten Stoff im Hintergrund gleicht die Aufnahme zunächst einer staffierten Studiosituation. Doch der gesetzte Bildausschnitt legt offen, dass es sich bei der improvisierten Staffage um ein verhangenes Wandregal handelt. Die Porträtierte richtet ihren Blick von der Linse weg. Ihr Gesichtsausdruck wirkt angespannt. Die Pokale sind unscharf und die Medaillen außerhalb der Bildgrenzen, wodurch die eigentlich positiv konnotierten Sportauszeichnungen wie ein schweres Gewicht auf der Porträtierten zu lasten scheinen. Für die Fotografie setzte sich Tomoya Imamura mit der Situation im heutigen Ungarn auseinander, wo der Nationalismus stark im Kommen sei. „Das Land sucht seine Identität“, so der Fotograf im Interview.



3. Platz, SHOOT NOW!, Shade, LUDWIGGALERIE © Martin Kerstan

Den dritten Platz belegt Martin Kerstan (31) aus Dortmund mit seinem Beitrag Shade, ebenfalls in der Themenkategorie WOMEN ARE BEAUTIFUL. Das Gesicht der Porträtierten verschwindet hinter einem Buch und unterläuft somit die konventionelle Funktion eines Porträts. Der Fotograf spielt ganz bewusst mit dem Gegensatz von Zeigen und Verbergen. Obwohl das Gesicht der Frau verborgen bleibt, lassen ihre Haare und ihre Haut auf eine afrikanische Herkunft schließen. Dieser Eindruck bestätigt sich durch das Cover des Buches: Der französische Psychiater und Philosoph Frantz Fanon veröffentlicht 1952 sein Werk „Schwarze Haut, weiße Masken“. In dieser Schrift setzt er sich mit kolonialer Unterdrückung, Diskriminierung und Rassismus in der weißen Gesellschaft Frankreichs auseinander. Es geht um Herkunft, Identität und Selbstwahrnehmung in einer Welt die vor allem in der heutigen Zeit durch Interkulturalität geprägt ist.

Alle drei Siegerarbeiten zeichnen sich durch einen sozialkritischen Ansatz aus und bringen dabei zeitaktuelle Aspekte wie Feminismus, Leistungsdruck oder Rassismus in einer fotografisch unkonventionellen Weise zum Ausdruck.
 
Die LUDWIGGALERIE dankt allen Teilnehmern für die gelungenen Einsendungen. Die Ausstellung SHOOT NOW! stellt eine große Bereicherung für die LUDWIGGALERIE dar und ist noch bis zum 27. Mai 2018 im Rahmen der Ausstellung SHOOT! SHOOT! SHOOT! im Großen Schloss zu sehen.


V.l.n.r.: Tomoya Imamura, Natascha Kurek, Vater von Nicoletta Poungias und Freund von Martin Kerstan

Autorin: Natascha Kurek