Dienstag, 14. November 2017

Das Leben des Señor Mordillo – und wie es zur Knollennase kam




Guillermo Mordillo in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sein Name ist längst zur Marke geworden. Weltweit kennt man seine knollennasigen Figuren, die so viel zu erzählen wissen, erstaunlicherweise ohne dabei ein Wort zu verlieren. Als Guillermo Mordillo am 23. September 2017 zu Besuch in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist, um die Ausstellung "The Very Optimistic Pessimist" zu eröffnen, erklärt er am Rednerpult, dass er kein Mann vieler Worte sei. Alles, was er der Welt zu sagen habe, hänge an den Wänden dieses Museums. Dass es offensichtlich doch so Vieles ist, was er zu sagen hat – immerhin sind hier zurzeit über 150 seiner originalen Zeichnungen ausgestellt – scheint selbst ihn zu überwältigen.


Guillermo Mordillo in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Geboren am 4. August 1932, als Sohn spanischer Immigranten, verbringt Mordillo seine Kindheit im argentinischen Buenos Aires. Schon als Kind beeindrucken ihn Disney-Filme, wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge", "Pinocchio" und "Bambi", woraufhin er den großen Traum entwickelt, Trickfilmzeichner zu werden. Mit 13 Jahren zeichnet er seinen ersten Cartoon: "Pascacio, der Landstreicher". Pascacio ist eine vermenschlichte Tierfigur, um genauer zu sein, ein schwarzer Kater mit herzchenförmig umrandeten, weißen Gesicht – eine stilistische Ähnlichkeit zu Walt Disneys "Mickey Mouse" ist unverkennbar. Ohne es zu wissen, prophezeit er mit dieser kleinen Geschichte gewisse Züge seines eignen Lebens, denn Kater Pascacio zieht, wie auch später Mordillo selbst, in der Welt umher und hangelt sich von Job zu Job.



„Pascacio, der Landstreicher“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

1948 absolviert der 16-jährige Mordillo einen Abschluss an der Escuela Superior de Periodismo (Schule für Journalismus). Doch das Kommunikationsmedium der geschriebenen Sprache genügt ihm nicht, sodass er zwei Jahre später bei den Filmstudios Burone Brouché als Trickfilmzeichner zu arbeiten beginnt. Nebenher illustriert er Kindergeschichten für den Verlag Editorial Códex. Unter anderem "Die drei kleinen Schweinchen" (1950). Der Einfluss der Walt Disney Studios ist deutlich wahrnehmbar: Mordillo zeichnet die drei Schweinchen und den Wolf mit menschlichen Attributen. Vor allem der Wolf mit Latzhose und Hut scheint angelehnt an die 1933 veröffentlichte Disney-Version "Silly Symphonies: The Three Little Pigs". Doch schon hier machen sich stilistische Eigenarten Mordillos bemerkbar, die später das Aussehen seiner knollennasigen Figuren bestimmen sollen: Im Vergleich zu der Disney-Fassung wirken seine Schweinchen liebevoller und – ganz wichtig: sie sind kugeliger gezeichnet!


„Die drei kleinen Schweinchen“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Zwischenzeitlich illustriert er für lokale Magazine, bis er 1955 Argentinien verlässt und nach Lima, in die Hauptstadt Perus zieht, wo er dann als freiberuflicher Grafikdesigner für die Werbeagentur McCann Erickson arbeitet. In dieser Zeit entstehen seine Illustrationen der Erzählungen "Die Fabeln von Äsop" und "Die Fabeln von Samaniego" (1955). 1959 beginnt er humoristische Grußkarten für Hallmark Cards zu entwerfen.

„Die Fabeln von Äsop“ und „Die Fabeln von Samaniego“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
1960 erfolgt der Umzug nach New York. Es gelingt ihm bei Paramount Pictures eine Anstellung als „Inbetweener“ zu erhalten. Ein „Inbetweener“ ist weniger für die Kreierung der Charaktere zuständig, als vielmehr für die Visualisierung detaillierter Handlungsabläufe von bereits vorgegebenen Stories und Figuren. In diesem Rahmen ist er an Projekten, wie "Popeye the Sailor" und "Little Lulu" beteiligt. Doch sein großes Talent für das Entwerfen von Figuren bleibt nicht unbemerkt, sodass er schließlich den Auftrag erhält, einen Charakter für den Kurzfilm "Trick for Tree" zu kreieren. Er entwirft einen kleinen Vogel, der einen Baum bewohnt. Vehement und äußerst geschickt wehrt sich der Vogel gegen jegliche Versuche des Rangers, den kleinen Baumbewohner aus seinem geliebten Heim zu vertreiben.

„Trick for Tree“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Sein großer Traum, Trickfilmzeichner für ein etabliertes Unternehmen zu werden, ist in Erfüllung gegangen. Allerdings ist Mordillo unzufrieden. Nach und nach bemerkt er einen Qualitätsunterschied zwischen Paramount Pictures und den Walt Disney Studios. Er schaut sich nach anderen Projekten um. Nur kurze Zeit später (1961), beginnt er wieder als Designer von Grußkarten zu arbeiten. Diesmal beim New Yorker Unternehmen OZ Greetingcards. 1963 gestaltet er hier den Kalender "The OZ Working Girls of ´64". Es handelt sich um 12 Zeichnungen von Frauen im Stile von Pin-Up-Girls. Erstmalig tauchen hier seine weißen kugeligen Figuren auf – allerdings eher am Rande, mehr oder weniger als kleine männliche Wesen, die den Reizen der emanzipierten Frauen ergeben sind.

„The OZ Working Girls of ´64“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Als geborener Argentinier mit spanischer Abstammung zieht es ihn zu seinen familiären Wurzeln nach Europa. Die englische Sprache beherrscht er, sodass es für ihn naheliegend erscheint, England anzuvisieren. Doch wie es der Zufall so will, landet er in Paris. Obwohl er der französischen Sprache nicht mächtig ist, erhält er dank seines zeichnerischen Talents eine Anstellung als Grußkartengestalter bei Mic-Max. Nach mehrjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit, weigert sich Mic-Max den Lohn entsprechend zu erhöhen. Mordillo kündigt und wagt endgültig den Schritt in die Selbstständigkeit!


Französische Grußkarten von „Mic-Max“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Er konzentriert sich auf eigene Projekte und beginnt Cartoons zu zeichnen, die gänzlich ohne Sprache auskommen. Am 31. Juli 1966 veröffentlich das französische Magazin Le Pelèrin eine dieser Zeichnungen. Der internationale Durchbruch naht: So publiziert unter anderem auch das deutsche Magazin Stern seine Arbeiten. 1970 erscheint dann in mehreren Ländern gleichzeitig sein erstes Bilderbuch "Das Piratenschiff". Neben Verlagen und Magazinen wird schließlich auch die Kunstwelt auf den Cartoonisten aufmerksam: 1974 werden erstmalig einige seiner Zeichnungen in der Pariser Galerie La Galere ausgestellt. Es bleibt nicht dabei. Ausstellungen im internationalen Raum, von Moskau über Barcelona bis hin nach China, würdigen sein künstlerisches Schaffen.


Zeichnung für französisches Magazin „Le Pelèrin“  in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Zeichnung für deutsches Magazin „Stern“  in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Seit den 1970ern erscheinen die charakteristischen Mordillo-Figuren in diversen Magazinen und Zeitungen, Geschenkartikeln sowie in Form von Animationen für das Fernsehen. 2005 wird das PC-Spiel "Jungle Fever" auf den Markt gebracht und 2010 das iPad-Spiel "Find them", welches seit 2013 auch als App verfügbar ist. Neben zahlreichen Auszeichnungen, findet 1992 eine erste umfassende Werkschau im Altonaer Museum in Hamburg statt. Zuletzt war es das Karikaturmuseum Krems, welches 2015 sein künstlerisches Schaffen in besonderem Maße würdigte. Nun ist es die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, die mit der Ausstellung "MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist" noch bis zum 7. Januar 2018 über 150 originale Zeichnungen zeigt.


Trickfilmanimationen und PC-Spiel „Jungle Fever“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mordillo feierte dieses Jahr seinen 85. Geburtstag. Bis zum heutigen Tage bringt er in seinem Atelier in Monaco unentwegt neue Bilder hervor. Neben seinen Einbildwitzen, Comicstrips, mehrteiligen Bildergeschichten und Wimmelbildern, sind in der LUDWIGGALERIE außerdem eine Reihe seiner amüsanten Trickfilm-Animationen zu sehen.


Guillermo Mordillo am Eröffnungsabend der Ausstellung „The Very Optimistic Pessimist“, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek


Dienstag, 7. November 2017

Ganz ohne Worte … Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“

Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Gefangen in einem Glaskasten. Eine Treppe herabsteigend und mit einer Rolltreppe wieder hochfahrend. Es sind die altbewährten Slapstick-Klassiker, die jedem von uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hans-Jürgen Zwiefka hat sie alle in seinem Repertoire! Seit vier Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Theater, Tanz und schwerpunktmäßig mit der Pantomime. Vergangenen Sonntag performte er in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, unmittelbar vor den Originalen der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“.  Ähnlich wie Mordillo, der mit seinen wortlosen Zeichnungen kleine Geschichte erzählt, bedarf auch Zwiefka keiner Sprachelemente.



Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Die Kunst der Pantomime arbeitet ganz bewusst mit Klischees“, erklärt Zwiefka und schwingt sich als Cowboy auf ein Pferd, um durch die Ausstellung zu galoppieren. Szenen, Gegenstände und selbst Orte werden in der Pantomime durch Gestik und Mimik verständlich gemacht. Gerade weil es sich um derart klischeebehaftete Situationen handelt, ist die Komik auf keinerlei Worte angewiesen. Das heißt aber keineswegs, dass Zwiefkas Aufführungen mucksmäuschenstill sind! Ganz im Gegenteil! Durch die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen schallt laute Musik, die auf die dargebotenen Sketche exakt abgestimmt ist.  




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Immer wieder tritt Zwiefka in Interaktion mit den Museumsbesuchern. Als selbsternannter Scharfschütze schnappt er sich eine Dame aus dem Publikum, die als Zielscheibe für seine Nummer herhalten muss. Die Hemmschwellen seitens des Publikums sind groß. Verständlich, wer will schon freiwillig eine Zielscheibe sein? Nichtsdestotrotz: Nach seiner Aufführung melden sich 11 Interessenten, die an dem anschließenden Pantomime-Workshop teilnehmen.  
 


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Absurdität der Situation spitzt sich zu: Unmittelbar vor Mordillos Originalen begeben sich die Teilnehmer zusammen mit Zwiefka auf die Suche nach dem verlegten Wohnungsschlüssel. Momente des Alltags, die jeder von uns kennt. Ähnlich wie Mordillio verwandelt auch Zwiefka alltägliche Situationen in absurde Geschichten. Manfred Schmidt beschreibt die interdisziplinäre Verbindung sehr zutreffend: „Man betrachtet Mordillos Zeichnungen wie einen Film, dessen Verkettungen voller Überraschungen aufeinander folgen. Die Gags entwickeln sich wie in den Filmen von Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Laurel und Hardy oder wie bei den Marx Brothers.“ Mordillo erzählt, wie auch der Slapstick, allein durch die Mimik und Gestik seiner wortlosen Knollennasen von den Irrungen und Wirrungen des Lebens.




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Innerhalb des Kurzworkshops führt Zwiefka mit den Teilnehmern verschiedene Aufwärmübung für Mimik und Gestik durch: Ab jetzt darf man nur noch in ‚Slow-Motion‘-Geschwindigkeit durch den Raum schreiten und jedesmal, wenn sich zwei Personen versehentlich berühren, sollen beide zu Eisskulpturen erstarren. Die Stimmung innerhalb der Gruppe lockert sich zusehends.


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Anschließend gibt es noch ein kleines Spiel: Die Teilnehmer werden in zwei sich gegenüberstehende Gruppen aufgeteilt. Der einen Gruppe zeigt Zwiefka den Begriff einer Emotion, wie zum Beispiel „Angst“.     


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nun liegt es an den Teilnehmern, diese Emotion körperlich so gut zum Ausdruck zu bringen, dass die andere Gruppe den Begriff errät. „Manchmal kann ein Blick, eine Haltung oder eine Geste mehr ausdrücken als viele Worte“, so Zwiefka über die Kunst der Pantomime, womit er bis zum Ende Recht behält, denn alle dargestellten Emotionen werden von den Teilnehmern korrekt erraten. Berührungsängste und Hemmschwellen wurden im Laufe des Workshops von allen Teilnehmern schnell überwunden, was an Zwiefkas gezielt eingesetzter Trainingsdidaktik liegt. Immerhin hat er bereits vier Bücher zum Themenbereich Pantomime geschrieben und mehrere Gruppenaufführungen erarbeitet. Weitere Informationen zur Person und zu buchbaren Angeboten gibt es auf seiner Homepage:  www.zwiefka-pantomime.de


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek




Mittwoch, 20. September 2017

„MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“

Der Ausstellungsumbau im Großen Schloss der LUDWIGGALERIE ist in vollem Gange!

Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek
Noch ein letzter Blick auf die schönen Fotografien von Sam Shaw – dann werden die 230 Exponate wieder zurück in die Artcases eingepackt. Die 17 Wochen der Ausstellung „Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie“ sind wie im Fluge vorbeigezogen. Insgesamt waren es 11.835 Besucher, die sich an der Fotografieschau in der LUDWIGGALERIE erfreuten. Für die Ausstellungstournee der Shaw Family Archives geht es nun weiter nach Odense in Dänemark.


Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Langsam leeren sich die Räume im Großen Schloss. Längst aber sind die Leihgaben aus Monaco in Oberhausen eingetroffen, sodass der Aufbau der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“ endlich beginnen kann!

Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zunächst einmal müssen die Wände vorbereitet werden. In der Zwischenzeit rahmt man im Werkstattkeller der LUDWIGGALERIE noch einige letzte Exponate ein – wenn das Passepartout sitzt, geht es ab nach oben in die Ausstellungsräume.   

Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Wow, das sind aber eine Menge Bilder! Um genauer zu sein, sind es über 150 Originale, die der argentinische Comiczeichner Guillermo Mordillo der LUDWIGGALERIE zur Verfügung gestellt hat. Neben einigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen seiner frühen Schaffensphase, sind es größtenteils aktuelle bunte Bildwelten, die bis zum 7. Januar 2018 im Schloss Oberhausen zu sehen sind.

Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Seine letzte große Werkschau fand 2015 in Österreich im Karikaturmuseum Krems statt. In Deutschland hingegen ist eine vergleichbare Mordillo-Ausstellung schon 25 Jahre her. Damals zeigte das Altonaer Museum in Hamburg eine umfassende Auswahl seiner Originale. Mit der Retrospektive „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“ ist es dieses Mal die LUDWIGGALERIE, die sein künstlerisches Schaffen anlässlich seines 85. Geburtstags würdigt. 

Linda Schmitz, die Kuratorin der Ausstellung, hadert noch mit der Reihenfolge der Hängung. Kein Wunder bei all den Werkinformationen, die man beachten muss, wie zum Beispiel: Entstehungsdatum und Entstehungsort – man bedenke, dass Mordillo ein Weltbürger ist! Buenos Aires, Lima, New York, Paris und Monaco sind als die wohl wichtigsten Stationen seiner Biografie hervorzuheben.


Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mit 13 Jahren zeichnet er seinen ersten Cartoon. Die humoristischen Zeichnungen aus seiner Zeit als Werbegrafiker und Illustrator zeugen von einem frühen Talent und der Fähigkeit zur visuellen Kommunikation. Vielfältige Motive und Themen finden sich in seinen Zeichnungen. Dschungel, einsame Insel Piratenschiff und Großstadt zählen zu seinen Lieblingskulissen. Von witzig, verspielt, süß, ernsthaft bis hin zu gesellschaftskritisch oder gar politisch – Mordillo, der optimitische Pessimist, wie es im Ausstellungstitel heißt, ist ein wacher Zeitgenosse und lässt so gut wie kein Thema unberührt; erstaunlicherweise ohne dabei je ein Wort zu verlieren!  


Um Geschichten zu erzählen, braucht er keine Sprache – nur Bilder. Manchmal eines, manchmal bis zu vier Bilder und das immer nur auf einer Seite. Meistens arbeitet er im Maß 30 x 40 (Querformat) oder 40 x 30 (Hochformat). Neben Maß und Format ist natürlich auch die Farbigkeit der einzelnen Bilder entscheidend für das kuratorische Konzept einer Ausstellung.   

Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Will man gewisse Aspekte gezielt hervorheben, kommt es eben auf die Kombination der Werke an. Mit welchem beginnt man am besten an einer Wand? Soll es eher um formal-ästhetische Kriterien gehen oder möchte man als Kurator eher ein inhaltliches Thema behandeln?  

Ein Blick in die Raumpläne, die Kuratorin Linda Schmitz schon lange Zeit vorher erstellt hat, kann da sehr hilfreich sein. Oftmals reicht das allerdings nicht aus, weil das Original in der betreffenden Räumlichkeit ganz anders wirken kann, als zunächst angenommen. 
Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

In solchen Fällen hilft es, sich mit dem Team der LUDWIGGALERIE zu beratschlagen. Nach einigem Hin und Her, steht die Reihenfolge der Bilderhängung endgültig fest! 
Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Im zweiten Obergeschoss des Großen Schlosses werden dann die ersten Bilder an die Wand angebracht. Nur mit wahrem Teamwork kann der Aufbau einer so großen Ausstellung gelingen! Da reicht kein Augenmaß. Alles wird gründlich nachgemessen. Immerhin handelt es sich um die Werkschau eines international tätigen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Künstlers!
Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ohje, nur ein Bruchteil der Bilder, die noch sortiert und gehangen werden müssen! Puh, da liegt aber noch ein Haufen Arbeit vor uns! Auf auf, weiter geht’s, denn die Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“ wird ja schon kommenden Samstag, den 23. September 2017 eröffnet!
Ausstellungsaufbau, MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Dienstag, 12. September 2017

Erzähle den besten Witz, erfinde die skurrilste Situation und sag dabei kein Wort!




Zeichenwettbewerb für Kinder und Jugendliche

Zur Ausstellung Mordillo. The Very Optimistic Pessimist (24.9.2017-7.1.2018) sucht die LUDWIGGALERIE Nachwuchskünstler, Cartoonisten und Comiczeichner!
Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 5. November 2017.
Zu gewinnen gibt es in den Alterskategorien 0 bis 12 Jahre und 13 bis 21 Jahre jeweils 250 Euro für den 1. Platz, 150 Euro für den 2. Platz und 100 Euro für den 3. Platz.
Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 26.11.2017 um 14 Uhr in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen statt.
Unser Vorbild für den diesjährigen Comicpreis ist Guillermo Mordillo, der in seinen Cartoons ganz ohne Sprache auskommt! Um Geschichten zu erzählen, braucht er keine Wörter – nur Bilder. Manchmal eines, manchmal bis zu vier Bilder und das immer nur auf einer Seite. Meistens arbeitet er im Maß 30 x 40 (Querformat) oder 40 x 30 (Hochformat).
© Mordillo Foundation, all rights reserved 2007 (3)
Mordillo thematisiert oft das Hin und Her zwischen Mann und Frau. Aber nicht nur die Liebe mit all ihren schönen wie auch schwierigen Momenten rückt Mordillo ins Bild. Auch Tiere, die sich wie Menschen verhalten, Häuser, die einander umarmen und verrückte Dinge, wie ein Männchen, das mit seinem Auto ein Stück vom Regenbogen transportiert, kann man in seinen Bildern entdecken. Der chinesischen Mauer gibt er einfach neuen Sinn, indem er sie zur Surfstrecke umfunktioniert. Ja, Mordillo liebt den Sport! Zusätzlich hat sich wohl niemand mehr als er Gedanken darüber gemacht, was man auf einer einsamen Insel alles tun könnte.
Alltägliche Probleme, aber auch die großen Sinnfragen des Lebens bringt Mordillo auf einem Blatt auf den Punkt oder verkehrt sie ins Gegenteil.
Jetzt bist du dran! Welche Probleme stellt dir dein Alltag? Woran bist du schon mal gescheitert? Was würdest du gerne einfach ändern? Welche skurrilen Situationen kannst du dir vorstellen?
Wir freuen uns über kreative, verrückte und bunte Beiträge :)
Diese Regeln sind zu beachten: Teilnahmeberechtigt ist jeder zwischen 0 und 21 Jahren. Jeder Zeichner darf nur einen Beitrag einsenden, Teamarbeit ist jedoch erlaubt. Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß: Jede Zeichentechnik ist möglich (z.B. Bleistift, Filzstift, Tusche, Copic-Marker,…). Jede Art von Zeichengeräten, grafischen Hilfsmitteln und Programmen (Photoshop, Illustrator o. ä.) kann verwendet werden. Der einzureichende Comic darf nur aus einer Seite im Querformat 30 x 40 oder im  Hochformat 40 x 30 cm bestehen. Auf jedem Wettbewerbsblatt ist unten rechts mit Bleistift klein, aber gut lesbar, der Name und das Alter zu vermerken.
WICHTIG: Bitte fülle das Teilnahmeformular und die Einverständniserklärung aus und gib sie zusammen mit deinem Beitrag ab. Nur so können wir dein Werk zuordnen und dich kontaktieren. 

Download Teilnahmeformular 

Zu gewinnen gibt es in den Altersgruppen 0-12 Jahre und 13-21 Jahre jeweils:


1. Preis: 250 Euro

2. Preis: 150 Euro

3. Preis: 100 Euro

Bekanntgabe der Sieger, Preisverleihung und Ausstellungseröffnung finden am Sonntag, den 26.11.2017 um 14 Uhr in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen statt. Der Eintritt ist an diesem Tag für alle Zeichnerinnen und Zeichner frei! Vom 26.11.2017 bis zum 07.01.2018 werden die besten Einsendungen in unserem Museum zu sehen sein. Dein Beitrag soll in der LUDWIGGALERIE gezeigt werden? Dann mach mit!
Bei Fragen kannst du einfach Linda Schmitz (0208) 412 49 12 anrufen oder ihr eine E-Mail schicken an: linda.schmitz@oberhausen.de

© Mordillo Foundation, all rights reserved 2016
Der Comic-Preis ist in der LUDWIGGALERIE inzwischen Tradition. In diesem Jahr findet er zum siebten Mal statt. Anlass dazu sind die regelmäßigen Comic-Ausstellungen im Schloss Oberhausen, wo schon Werke von Ralf König, Walter Moers, Ralph Ruthe sowie verschiedener Zeichner der Disney Factory gezeigt wurden.

Mittwoch, 9. August 2017

Social Media- und Bloggertag #FindingTheUnexpected in den Fotografien von SAM SHAW

Autorin: Natascha Kurek



Letzten Sonntag war es wieder so weit: In der LUDWIGGALERIE fand der dritte Social Media- und Bloggertag statt. Mit der aktuellen Ausstellung Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie zeigt die LUDWIGGALERIE eine umfassende Retrospektive des New Yorker Fotografen Sam Shaw (1912-1999). Er hatte die ganz großen vor der Linse: Marilyn Monroe, Sophia Loren, Woody Allen, Elizabeth Taylor oder Patti Smith – nur um einige wenige Namen zu nennen. Sam Shaw kannte also die Prominenz. So weit, so gut.


Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE

„Doch wird man als Fotograf nur dann berühmt und erfolgreich, wenn man berühmte und erfolgreiche Persönlichkeiten fotografiert?“, wirft Linda Schmitz provokant in den Raum. Eine durchaus berechtigte Frage.


Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE

Dem Titel der Ausstellung entsprechend besteht das Ziel des Bloggertages diesmal darin, das Unerwartete zu finden. Zweifelsohne lassen sich unerwartete Pointen auch in seinen Porträts der Reichen und Berühmten entdecken – wir aber begeben uns an diesem Tag eher auf einen Weg fernab des Hollywood-Glamours und richten unsere Aufmerksamkeit auf die arbeitende Gesellschaft sowie auf die kleinen Skurrilitäten des Alltags; denn ja, Sam Shaw interessierte sich als Fotograf auch für die 'Normalsterblichen'. 

Um den teilnehmenden Bloggern eine Fährte vorzugeben, bereiten wir eine kleine Suchaktion vor: Jeder Blogger erhält eine Postkarte, die den isolierten Ausschnitt einer Fotografie von Sam Shaw enthält. Doch welches ist nun das entsprechende Originalfoto in der Ausstellung? Immerhin besteht die Ausstellung aus ca. 230 Schwarz-Weiß-Fotografien...


Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE

Der Startschuss ist gefallen! Die Suche nach dem Unerwarteten kann beginnen! Was keiner der Teilnehmer weiß: Zu jeder einzelnen Fotografie sind jeweils zwei verschiedene Bildausschnitte im Umlauf. Das heißt, im besten Fall findet man nicht nur die richtige Fotografie, sondern man stößt dabei unerwarteterweise auf einen weiteren Suchkompanen.  
Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE


Immer wieder pendelt der Blick zwischen dem Postkartenmotiv in der Hand und den Bildern an den Wänden. Mit zusammengekniffenen Augen durchschreiten die Blogger konzentriert die Museumsräume, um das entscheidende Detail bloß nicht zu übersehen. Ganz sicher, dass sich der Bildausschnitt nicht doch als kleines Minidetail in einem dieser Bilder hier versteckt? Lieber noch einmal genauer hingucken. Manch einer droht sogar an der Suchaktion zu verzweifeln. Doch siehe da, wer hätte das gedacht: Opa Hausen (Facebook oder Homepage), der als berenteter Bergmann nicht unbedingt zu den körperlich fittesten Teilnehmern zählt, wird tatsächlich als einer der ersten fündig: „Hier haste doch die Knarre!“.


Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE

In derselben Fotografie entdeckt auch Bloggerin Victoria Walhausen (www.mesdamespottpouri.de) ihr eher unansehnliches Postkartenmotiv: Ein männliches Doppelkinn. Es gehört zu einem korpulenten Sheriff, den Shaw 1946 vor einem Wahllokal in Mississippi fotografiert. Mit der Pistole an seiner Gürtelschnalle, führt er sich eine Pfeife zum Mund, während er die schwarzen Demonstranten bewacht.
Zusammen mit dem befreundeten Autor Harry Henderson besucht Shaw einige Wahlkampfreden von Theodore G. Bilbo (Senator von Mississippi), der für die rassistische White Supremacy-Bewegung wirbt, was die afroamerikanische Bevölkerung in Aufruhr versetzt. Auch Shaw und Henderson stehen der Bewegung kritisch gegenüber, was sie in ihren Reportagen immer wieder durchsickern lassen. 


Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
In der Diskussionsrunde bringen Opa Hausen (alias Dirk Trachternach) und Victoria Walhausen die Komposition der Fotografie treffend auf den Punkt: Mit dem Aufbau des Bildes ist es Shaw gelungen die herrschenden Machtstrukturen eindringlich zu visualisieren. So nimmt der verhältnismäßig hell ausgeleuchtete Körper des Sheriffs fast die Hälfte des Bildes ein, während die Demonstranten als Menschenmasse in den dunklen Bildhintergrund gedrängt sind. In Anbetracht seines eher unansehnlichen Erscheinungsbildes spricht Linda Schmitz sogar von einer „Ästhetik des Bösen“, die Shaw hier greifbar macht.


Ganz in der Nähe haben auch die beiden Bloggerinnen Anja Schmid (http://pottandbeyond.de/) und Katrin Pawlick (www.Literatur-und-Kultur.de) mit ihren Postkartenmotiven zueinander gefunden. Sowohl die übergeschlagenen Hände, als auch der von einer Sicherheitsnadel zusammengehaltene Stoff stellen sich als Attribute der Farmpächterin Mrs. Banks heraus, die Shaw 1943 in Missouri fotografierte.
Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Im Wohnraum ihres Farmerhauses sitzt Mrs. Banks vor einem Fenstervorhang. Die Szenerie gleicht einer Porträtsituation im Fotostudio, nur dass die Hintergrundstaffage in diesem Fall dem privaten Lebensraum der Porträtierten entspricht. Gezeichnet von harter körperlicher Arbeit, strahlt ihre Körperhaltung dennoch Selbstbewusstsein aus – gewissermaßen einen Stolz auf ihr eigenes Stück Land. Man bedenke, dass sie eine afroamerikanische Frau im Amerika der 1940er ist, also einer Zeit, in welcher die Apartheid deutlich präsent ist. Sie habe die Sicherheitsnadel, welche ihr Kleid vorne schließt „mit einem Stolz getragen, als wäre sie eine Edelsteinbrosche“, so Shaw über Mrs. Banks. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb diese Aufnahme zu seinen Lieblingsfotos zählt. Umso bedeutungsvoller wird nun auch das Motiv der Sicherheitsnadel, welches Katrin Pawlik auf ihrer Postkarte hat. 

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Im Auftrag des Collier’s-Magazins entstand in den 1940ern eine ganze Fotoserie über Farmer, die Shaw zusammen mit dem befreundeten Autor Harry Henderson während seiner Reisen durch Amerika aufnahm. Seine Farmer-Serie erinnert an die Arbeiten von Robert Frank und Walker Evans, die ebenso ein ausgeprägtes Interesse an sozialrelevanten Themen entwickeln, wodurch der sogenannte Human Interest zu einem zentralen Thema in der amerikanischen Fotografie der 1950er wird.


Das Interesse am Menschlichen – das ist es, was Shaw als Fotografen stets vorantreibt und zwar in jedem Moment seines Lebens, wie er selbst immer zu sagen pflegt: „Ich persönlich suche, um zu finden. Das Unerwartete zu finden, an der nächsten Ecke, zu sehen, was passiert, ist für mich ein visuelles Abenteuer.“ Eine Motivation, die ihn wohl auch 1961 dazu veranlasst haben muss die Putzfrau in einem Pariser Kino zu fotografieren.

Bloggerin Britta Rübsam sitzt schon seit längerem vor dieser Fotografie. Sie ist die einzige Teilnehmerin, die unsere Ausstellung bereits kennt und sogar schon einen erfrischenden Artikel dazu gebloggt hat (hier zum Artikel). Das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass sie ihr Postkartenmotiv so schnell wiedergefunden hat. Doch kurze Zeit später gelangt auch die fotografisch versierte Instagramerin (instagram.com/mmaeckie ) Hildegard Mihm an das gemeinschaftliche Ziel.

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE

Die zweiteilige Fotoserie zeigt die Straßenansicht eines Pariser Kinos. Während eine Putzfrau damit beschäftigt ist den Boden des Kino-Foyers zu säubern, läuft auf dem Bürgersteig eine schwarze Katze an der Fensterfront des Kinos entlang.

Bei seinen Spaziergängen durch Paris, entdeckt Shaw an jeder Ecke Erzählstränge für potentielle Geschichten. Auf seinen Reisen geht es ihm um die Begegnung mit Menschen, um das Agieren aus dem Moment heraus. In diesem Zusammenhang liest Hildegard Mihm ein für diese Aufnahme sehr zutreffendes Zitat von Shaw vor: „Auf dem Weg durchs Leben sollte man darauf achten, dass man sich von der Stelle bewegt und seine Umgebung bewusst wahrnimmt. Auf diese Weise wird das Leben selbst zu einer Kunst. Wichtig ist vor allem die Art, wie man die Dinge sieht.“ 
Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Britta Rübsam mag an dieser Fotografie vor allem die situative Analogie zwischen Putzfrau und Katze: Beide bewegen sich auf allen Vieren in die gleiche Richtung  – zunächst voneinander getrennt durch die Fensterfassade des Gebäudes – bis sie dann an der Tür aufeinandertreffen.    
Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Es sind diese kleinen, vermeintlich unbedeutenden Momente des Alltags, die Shaw nicht nur als bildwürdig, sondern sogar als reportagetauglich empfindet. So betrachtet er die Bildgeschichte per se als die „grundlegende Form des Fotojournalismus, einen Vorläufer der Filmindustrie.“   
Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Eine Festlegung, die nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Shaw lange Zeit als Standfotograf in der Filmbranche und letztlich sogar selbst als Filmproduzent tätig war. Zum Beispiel entstand das Foto von Tony Curtis und Burt Lancaster 1955 auf dem Set des Films Trapez (1956). Während unserem Spiel war es der Blogger Norbert Schaldach (http://www.emschermensch.de/), der eine dazugehörige Postkarte gezogen hatte – allerdings war der Emschermensch auf seiner Suche wohl etwas auf dem Holzweg: Bei seinem Motiv einer geöffneten Handfläche handelte es sich nicht wie gedacht, um eine winkende oder abweisende Handgeste, sondern um die Hand eines Akrobaten, gespielt vom Schauspieler Burt Lancaster. Zwar kommt der Emschermensch von allen Teilnehmern als Letzter an sein Ziel, aber dafür hat er als Erster – man bedenke, schon am darauffolgenden Tag – einen sehr lesenswerten Blogartikel veröffentlicht (hier zum Artikel).    

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Auch der Teilnehmer Christopher Walhausen (Begleitung von Victoria Walhausen) staunte nicht schlecht, als er dann endlich das Originalfoto gefunden hatte. Seine Postkarte zeigte eine Nahaufnahme von zwei sich berührenden Zeigefingern. In der waagerechten Ansicht der Postkarte hatte er in Erwägung gezogen, ob es sich um eine moderne Version von Michelangelos Die Erschaffung Adams handeln könnte. Nein, Sam Shaw hat hier nicht die Zeigefinger Gottes und Adams fotografiert. Es ist der Finger von Burt Lancaster, dessen gesamtes Körpergewicht auf dem Zeigefinger von Tony Curtis lastet! Ganz schön starker Mann dieser Tony!  

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Doch das wohl kniffeligste Motiv hat ohne Frage die Instagramerin Claudia Schweppe (https://www.instagram.com/pottstories) getroffen. Zum einen hängt die Originalfotografie im aller letzten Ausstellungsraum, sodass die Teilnehmerin die gesamte Ausstellung nach dem Bildausschnitt durchforsten muss. Als wäre das nicht genug, handelt es sich bei dem Exponat um eine spezielle Mischform aus Fotografie und Zeichnung. Es ist eine sogenannte „Storyboard-Zeichnung“, die Shaw als Filmproduzent für eine Szene des Filmes Paris Blues (1961) anfertigte. Hierfür fotografierte er zunächst die Stufen am Montmartre in Paris und zeichnete nachträglich einen Bewegungsablauf auf die Fotografie. Dieses Vorgehen erleichterte ihm, die Bewegungen der Protagonisten szenografisch im Voraus zu planen.

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Ähnlich wie Claudia Schweppe, die jene zeichnerisch skizzierten Menschengestalten auf ihrer Postkarte hatte, verzweifelt bei der Suche auch die Begleitperson von Dirk Trachternach ('dem Opa Hausen sein Kumpel'), der nämlich nur einen Ausschnitt der Treppenbalustrade auf seiner Postkarte hatte.

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
 Wir erinnern uns zurück an die beiden akribisch suchenden Teilnehmer, die bereits im ersten Obergeschoss des Museums leichte Züge der Frustration zeigten:

Social Media- und Bloggertag, SAM SHAW, 2017 © LUDWIGGALERIE
Ohne voneinander zu wissen, dass sie mit ihren Bildausschnitten letztendlich auf der Suche nach ein und derselben Fotografie sind, kreuzten sich ihre Wege mehrmals während der Suchaktion. Bis sie dann schließlich bei der Fotografie Paris Blues (1961) zueinander finden.


In diesem Sinne möchten wir allen Teilnehmern für den engagierten Sucheinsatz danken und freuen uns schon jetzt auf interessante Berichterstattungen, wahlweise Posts unter dem Hashtag #FindingTheUnexpected.

Bis zum nächsten Social Media- und Bloggertag!

Eure Linda und Natascha   


Wer noch nicht in unserer Ausstellung Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie war, hat noch bis zum 17. September Zeit dazu. Wir freuen uns auf euren Besuch!




Im Folgenden alle Berichterstattungen im Überblick:


Britta Rübsam:http://www.mein-ruhrgebiet.blog/sam-shaw-in-der-ludwiggalerie/