Mittwoch, 13. Dezember 2017

Reges Treiben in der Artothek der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Ursula Bendorf-Depenbrock berät Wolfgang Domin bei der Auswahl einer neuen Leihgabe, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Letzte Woche war es wieder soweit. Jeden ersten Donnerstag im Monat kann man in der Artothek Kunst leihen. Seit 1977 bietet die Artothek der LUDWIGGALERIE diesen Service nun schon an und erfreut bislang 300 Stammkunden mit einem vielseitigen Repertoire. Von Malerei bis Skulptur – mit etwa 2000 Kunstwerken ist für jeden Geschmack etwas mit dabei. Gegen eine Gebühr von jeweils 11 Euro (inkl. Versicherungsschutz) kann man sich sein Lieblingsbild für drei Monate als Leihgabe mit nach Hause nehmen. 
Die Pastell-Malerei von Sigrid Kuntz hing sechs Monate lang bei Wolfgang Domin als Leihgabe im Wohnzimmer, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ein Stillleben mit einer Melone und zwei Pfirsichen. Das Pastell von Sigrid Kuntz kehrte letzte Woche wieder zurück in die Artothek. Wolfgang Domin ist Musik- und Sportlehrer an der Willi-Brandt-Gesamtschule in Bottrop und hatte das sommerlich frische Obstmotiv sechs Monate lang bei sich zu Hause hängen. Zusammen mit seiner Frau hat er nun die Leihgabe wieder zurück nach Oberhausen gebracht. „Für die Winterzeit muss ein neues Bild her!“ Seit 2013 nutzt das Ehepaar Domin das Angebot der Artothek und hat bislang schon 20 Werke geliehen. „Der Vorteil an einer Kunst-Leihgabe ist, dass man die Werke passend zur Jahreszeit auswählen kann“, so der Lehrer aus Bottrop. Schnell haben sich die beiden auf ein neues Bild geeinigt:
Wolfgang Domin vor seiner neuen Leihgabe: Eine Malerei von Luisa Schatzmann, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Es ist die pastos aufgetragene Malerei von Luisa Schatzmann, die demnächst das Wohnzimmer der Domins schmücken wird. „Die kühlen Farben entsprechen der Winterzeit und vor allem wird das Bild sehr gut zu unserem Tannenbaum passen!“
Manch Anderem fällt die Entscheidung für das richtige Kunstwerk nicht ganz so einfach. Margit Dewald-Fink ist zusammen mit ihrem Ehemann in der Artothek. Alle zwei bis drei Monate leihen sie sich ein neues Kunstwerk aus.
Die Gäste von Margit Dewald-Fink bestaunten bei ihr zu Hause das Werk von Johannes Franitza, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zuletzt schmückte eine Malerei von Johannes Franitza ihre Wohnzimmerwand. „Alle Gäste waren begeistert!“ Selbstverständlich würden sich die beiden Kunstliebhaber gerne mal ein Werk kaufen – nur das Problem ist, dass sie sich einfach nicht endgültig festlegen können. „Aus diesem Grund ist die Artothek die ideale Alternative zu einem Kunstkauf“, so die Kunst- und Mathelehrerin, die ehemals am Abtei Gymnasium in Duisburg unterrichtete. „Man muss keine endgültige Kaufentscheidung treffen.“ Zum Glück gibt es an diesem Tag Glühwein in der Artothek. Mit einem warmen Getränk in der Hand, lässt es sich bekanntlich besser entscheiden. Und zur Freude aller machen sich die beiden mit drei neu ausgewählten Leihgaben von Gerhard Losemann zufrieden auf den Heimweg nach Duisburg.
Margit Dewald-Fink zusammen mit ihrem Ehemann bei einem Glühwein in der Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Maike Sutor-Fiedler ist Journalistin aus Essen und zählt seit vielen Jahren zu den Stammkunden der Artothek. Diese surrealistische Collage von Olaf Stöhr verzierte drei Monate lang ihre Kaminwand – wohlbemerkt eine „Kaminwand ohne Kamin“, wie sie erwähnt, aber dafür MIT Kunst! „Es gefällt mir, dass ich mit den wechselnden Leihgaben immer wieder Bewegung in meine Wohnung bringe.“ Sie schätzt vor allem das facettenreiche Angebot der Artothek.  
Maike Sutor-Fiedler mit einer Collage von Olaf Stöhr, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Bewegung“ ist auch für Sabine Grajewski aus Oberhausen ein wichtiges Stichwort. Erstmalig hat sie sich 2016 Kunst in der Artothek geliehen. An diesem Tag bringt sie ein Werk von Katja Fliß zurück, das ganze neun Monate über ihrem Schreibtisch im Bürozimmer hing. Als Geschäftsführerin des Stadt-Sport-Bunds Oberhausen hat sie eine ganz spezielle Bindung zu dem Bild mit der Balletttänzerin: In einer dynamischen Formkomposition visualisiert es in kraftvollen Farben die Themen Tanz, Sport und Bewegung.  „Ich wollte es gar nicht mehr hergeben. Am liebsten hätte ich das Bild der Artothek abgekauft!“. Leider war nur eine Verlängerung der Leihgabe möglich.
Sabine Grajewski wollte die Arbeit von Künstlerin Katja Fliß gar nicht mehr hergeben, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Doch es braucht nicht lange bis die Oberhausenerin ein neues Lieblingsstück in der Artothek findet. Auch dieses Mal handelt es sich um eine Malerei von Katja Fliß, die einen Platz im Büro der Geschäftsführerin finden wird.
Ein weiteres Werk von Katja Fliß, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mit dem eingepackten Kunstwerk unterm Arm geht es nun nach Hause. Am 4. Januar 2018 öffnet die Artothek wieder von 16.00 bis 20.00 Uhr. Schaut einfach mal rein zum unverbindlichen Stöbern und wer weiß, vielleicht werdet ihr ja auch fündig!
Sabine Grajewski verlässt die Artothek mit einer neuen Leihgabe für ihr Büro, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nähere Auskünfte zur Artothek auf der Homepage:
Autorin: Natascha Kurek















Donnerstag, 7. Dezember 2017

Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist


Am Samstag, den 25. November 2017 fand der Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist statt! Dem Ausstellungstitel entsprechend, wagten wir ein kleines Gedankenexperiment: Direkt zu Beginn der Veranstaltung kürten wir jeden der TeilnehmerInnen mit einer Umhänge-Medaille entweder zu einem Optimisten oder zu einem Pessimisten. Wer eine grüne Medaille erhält, soll sein Augenmerk auf die positiven Aspekte in den Bildern Mordillos lenken. Wird man hingegen mit der roten Medaille zum Pessimisten ernannt, so hat man speziell auf die negativen Pointen in den Werken zu achten.
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Gemeinsam mit der Kunstvermittlerin Angela Noack-Zwick durchschreiten die TeilnehmerInnen den mordillanischen Kosmos im Großen Schloss der LUDWIGGALERIE. Die fiktiv auferlegte Gesinnung macht dem ein oder anderen sichtlich zu schaffen – immerhin ist nun reines Schwarz-Weiß-Denken angesagt: „Achja, so positiv darf ich das Bild gar nicht beurteilen“, unterbricht sich Danny Giessner selbst, “schließlich bin ich ja heute Pessimist!“ und hält seine rote Umhänge-Medaille hoch. Der kulturbegeisterte Blogger berichtet regelmäßig auf www.wahlheimat.ruhr über Eindrücke, Events & Ausstellungen im Ruhrgebiet. 
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Auch Opa Hausen ist wieder mit von der Partie. Etwas mürrisch kam er beim vereinbarten Termin um 11 Uhr in der LUDWIGGALERIE an: „Eigentlich klön ich um die Zeit noch mitte andern Rentner beim Bäcker!“. Für diese Morgen-Muffeligkeit gab es für Opa Hausen erstmal eine rote Pessimisten-Medaille! Beim gemeinsamen Rundgang zeigte er sich besonders angetan von Mordillos kleinem Mann im großen Kosmos. „Wat war für mich negativ? Hätten mehr kleine Kerle drauf gepasst.“  Opa Hausen auf Facebook
Opa Hausen in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © Dirk Trachternach
Tatsächlich erfasst der berentete Bergmann hiermit ein zentrales Thema in Mordillos Bildern: die Einsamkeit. Immer wieder befinden sich Mordillos Figuren alleine in scheinbar ausweglosen Situationen. Verloren im Kosmos, gestrandet auf einer Insel oder als Gefängnisinsasse in einer Zelle. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die kunterbunte Welt Mordillos als Projektionsfläche von ernsthaften, gar existenzialistischen Gedanken.
© Mordillo Foundation, all rights reserved 2009
Im Laufe unseres Experiments wird immer deutlicher, dass fast alle Bilder von Mordillo gleichermaßen pessimistische und optimistische Anteile aufweisen, wie auch Hildegard Mihm‏ @mmaeckie auf Twitter feststellt: „Und tatsächlich ziehen sich beide Elemente konsequent durch Mordillos Werk.“ Dennoch ist „immer wat zum Lachen dabei und dat mach ich“, so Opa Hausen über die Ausstellung. „Vielleicht auch, weil die Figuren alle große runde Augen haben und nen bissen pummelich sind. Kam mir bekannt vor.“ Ein weiteres Merkmal von Mordillos Figuren bringt Bloggerin Britta Rübsam (Ruhr Tourismus) auf den Punkt: „Männer bestehen aus drei, Frauen aus fünf Kreisen. Zumindest bei #Mordillo #TheVeryOptimisticPessimist“.
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Doch das Erfreulichste ist, dass es Mordillos Knollennasen in den meisten Fällen gelingt, die Hindernisse des Alltags mit Optimismus und Humor zu bewältigen, womit sich letztlich auch der Ausstellungstitel The Very Optimistic Pessimist erklären lässt.
© Mordillo Foundation, all rights reserved 2008
MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist noch bis zum 7. Januar 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.


Autorin: Natascha Kurek




Mittwoch, 29. November 2017

Die GewinnerInnen des Comicpreises stehen fest!


Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Einen Witz erzählen, ohne dabei ein Wort zu sagen? Unter dieser Devise stand der diesjährige Zeichenwettbewerb der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen! Als Vorbild diente Mordillo, der in seinen Cartoons ganz ohne Sprache auskommt. Der wortlose Witz zieht sich durch sein künstlerisches Schaffen. Oftmals treibt Mordillo die Szenerien bis ins Absurde und Skurrile.  
Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß: Jede Zeichentechnik war bei dem Wettbewerb erlaubt. Egal ob mit Bleistift, Filzstift, Tusche, Copic-Marker oder anderen Zeichengeräten. Zudem war der Einsatz jeder Art von grafischen Hilfsmitteln und Programmen (Photoshop, Illustrator o. ä.) zulässig.
Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
In den beiden Altersgruppen 0-12 Jahre und 13-21 Jahre waren es insgesamt 51 BewerberInnen, die sich dem Kunstwettbewerb gestellt haben. Alle eingereichten Arbeiten wurden von einer Jury sorgfältig begutachtet. Diese setzte sich zusammen aus: Linda Schmitz, der Kuratorin der MORDILLO-Ausstellung, und der Museumspädagogin Ursula Bendorf-Depenbrock sowie Jörg Hedtkamp vom Comic Centrum Oberhausen. 
Comicpreis, Jury, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bei der Preisverleihung am Sonntag versammelten sich die TeilnehmerInnen und ihre Begleitungen. Aber auch neugierige Museumsbesucher strömten in den Werkraum der Museumspädagogik (2.OG, Großes Schloss), um die Arbeiten der jungen KünstlerInnen zu bestaunen. In den beiden Altersgruppen gab es jeweils 250 Euro für den 1. Platz, 150 Euro für den 2. Platz und 100 Euro für den 3. Platz zu gewinnen.
Comicpreis, Preisverleihung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
 Dicht beieinander hängen ausgewählte Arbeiten noch bis zum 7. Januar 2018 im Großen Schloss. Immerhin gibt es neben den jeweils drei Bestplatzierten noch viele weitere gute Zeichnungen, die es verdient haben mit einer solchen Ausstellung gewürdigt zu werden! Doch jetzt endlich zu den Gewinnern:
Antonia Rösler, 11 Jahre, 1. Platz (0-12 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die elfjährige Antonia Rösler malte ein Nilpferd, das im Weltall auf einen Planeten zuschwimmt. Die Skurrilität der Situation, der ausgeglichene Bildaufbau, sowie der komplementäre Farbkontrast zwischen Blau und Orange, veranlassten die Jury dazu, Antonia Rösler zur Siegerin in der Alterskategorie 0-12 Jahre zu küren.


Jacob Kopadze, 11 Jahre, 2. Platz (0-12 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Der Zweitplatzierte ist Jacob Kopadze, 11 Jahre alt. Er malte eine Geschichte in einem dreiteiligen Comicstrip: Während zwei Herren gemütlich bei einem Kaffee zusammensitzen, katapultiert ein Dampfer die Kaffeegesellschaft samt Tisch in die Lüfte. Jacob Kopadze ist es mit dieser Bilderfolge gelungen, eine amüsante Geschichte zu erzählen – und zwar ganz ohne Worte.  

Charlotte Vellar, 10 Jahre, 3. Platz (0-12 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Der dritte Platz geht an die zehnjährige Charlotte Vellar. Auf ihrem Bild läuft ein Mädchen zusammen mit Pinguinen Schlittschuh auf einem Planetenring. Ordnungsgemäß ist auf der ringförmigen Schlittschuhlaufbahn ein Frost-Warnschild angebracht!

Romina Link, 18 Jahre, 1. Platz (13-18 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
In der Alterskategorie 13-21 Jahre geht der höchstdotierte Comicpreis an Romina Link (18), die ebenfalls eine dreiteilige Bildergeschichte ganz im Sinne Mordillos zeichnete: Nachdem ein Mann eine Blume am Straßenrand  gegossen hat, verwandelt sich diese überraschenderweise in eine Monsterblume. Romina Link überzeugte die Jury durch ihr grafisches Geschick und die Originalität der Geschichte.



Betül Kör, 18 Jahre, 2. Platz (13-18 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Den zweiten Platz nimmt Betül Kör (18) ein. Sie zeichnete einen Pinguin, der sich zu einer Vogelgruppe an einem Strommast gesellt. Immerhin zählt der Pinguin rein biologisch auch zu der Gruppe der Vögel – doch diese scheinen ganz offensichtlich etwas verwundert über den neuen „Artgenossen“.



Alina Fischer, 21 Jahre, 3. Platz (13-18 Jahre), Comicpreis, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Alina Fischer (21) belegt den dritten Platz für ihre Flamingo-Zeichnung. Am Strand fährt der lässige Flamingo mit Sonnenbrille und Cappy auf einem Skateboard durch die Gegend, während ihn die Sonne, mit einem Cocktail-Glas in der Hand, angrinst. 

Comicpreis, Preisverleihung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die LUDWIGGALERIE gratuliert allen Gewinnern und Gewinnerinnen des Comicpreises! Doch auch die übrigen TeilnehmerInnen gingen nicht mit leeren Händen nach Hause. Jeder erhielt einen Familiengutschein für einen Museumsbesuch. Die nächste große Comic-Ausstellung in der LUDWIGGALERIE ist übrigens „FIX UND FOXI – Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“ (10.6.-9.9.2018). Auch zu dieser Ausstellung wird wieder ein Comicpreis an junge Nachwuchskünstler, Cartoonisten und Comiczeichner vergeben!   
Autorin: Natascha Kurek




Dienstag, 14. November 2017

Das Leben des Señor Mordillo – und wie es zur Knollennase kam




Guillermo Mordillo in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Sein Name ist längst zur Marke geworden. Weltweit kennt man seine knollennasigen Figuren, die so viel zu erzählen wissen, erstaunlicherweise ohne dabei ein Wort zu verlieren. Als Guillermo Mordillo am 23. September 2017 zu Besuch in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist, um die Ausstellung "The Very Optimistic Pessimist" zu eröffnen, erklärt er am Rednerpult, dass er kein Mann vieler Worte sei. Alles, was er der Welt zu sagen habe, hänge an den Wänden dieses Museums. Dass es offensichtlich doch so Vieles ist, was er zu sagen hat – immerhin sind hier zurzeit über 150 seiner originalen Zeichnungen ausgestellt – scheint selbst ihn zu überwältigen.


Guillermo Mordillo in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Geboren am 4. August 1932, als Sohn spanischer Immigranten, verbringt Mordillo seine Kindheit im argentinischen Buenos Aires. Schon als Kind beeindrucken ihn Disney-Filme, wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge", "Pinocchio" und "Bambi", woraufhin er den großen Traum entwickelt, Trickfilmzeichner zu werden. Mit 13 Jahren zeichnet er seinen ersten Cartoon: "Pascacio, der Landstreicher". Pascacio ist eine vermenschlichte Tierfigur, um genauer zu sein, ein schwarzer Kater mit herzchenförmig umrandeten, weißen Gesicht – eine stilistische Ähnlichkeit zu Walt Disneys "Mickey Mouse" ist unverkennbar. Ohne es zu wissen, prophezeit er mit dieser kleinen Geschichte gewisse Züge seines eignen Lebens, denn Kater Pascacio zieht, wie auch später Mordillo selbst, in der Welt umher und hangelt sich von Job zu Job.



„Pascacio, der Landstreicher“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

1948 absolviert der 16-jährige Mordillo einen Abschluss an der Escuela Superior de Periodismo (Schule für Journalismus). Doch das Kommunikationsmedium der geschriebenen Sprache genügt ihm nicht, sodass er zwei Jahre später bei den Filmstudios Burone Brouché als Trickfilmzeichner zu arbeiten beginnt. Nebenher illustriert er Kindergeschichten für den Verlag Editorial Códex. Unter anderem "Die drei kleinen Schweinchen" (1950). Der Einfluss der Walt Disney Studios ist deutlich wahrnehmbar: Mordillo zeichnet die drei Schweinchen und den Wolf mit menschlichen Attributen. Vor allem der Wolf mit Latzhose und Hut scheint angelehnt an die 1933 veröffentlichte Disney-Version "Silly Symphonies: The Three Little Pigs". Doch schon hier machen sich stilistische Eigenarten Mordillos bemerkbar, die später das Aussehen seiner knollennasigen Figuren bestimmen sollen: Im Vergleich zu der Disney-Fassung wirken seine Schweinchen liebevoller und – ganz wichtig: sie sind kugeliger gezeichnet!


„Die drei kleinen Schweinchen“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Zwischenzeitlich illustriert er für lokale Magazine, bis er 1955 Argentinien verlässt und nach Lima, in die Hauptstadt Perus zieht, wo er dann als freiberuflicher Grafikdesigner für die Werbeagentur McCann Erickson arbeitet. In dieser Zeit entstehen seine Illustrationen der Erzählungen "Die Fabeln von Äsop" und "Die Fabeln von Samaniego" (1955). 1959 beginnt er humoristische Grußkarten für Hallmark Cards zu entwerfen.

„Die Fabeln von Äsop“ und „Die Fabeln von Samaniego“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
1960 erfolgt der Umzug nach New York. Es gelingt ihm bei Paramount Pictures eine Anstellung als „Inbetweener“ zu erhalten. Ein „Inbetweener“ ist weniger für die Kreierung der Charaktere zuständig, als vielmehr für die Visualisierung detaillierter Handlungsabläufe von bereits vorgegebenen Stories und Figuren. In diesem Rahmen ist er an Projekten, wie "Popeye the Sailor" und "Little Lulu" beteiligt. Doch sein großes Talent für das Entwerfen von Figuren bleibt nicht unbemerkt, sodass er schließlich den Auftrag erhält, einen Charakter für den Kurzfilm "Trick for Tree" zu kreieren. Er entwirft einen kleinen Vogel, der einen Baum bewohnt. Vehement und äußerst geschickt wehrt sich der Vogel gegen jegliche Versuche des Rangers, den kleinen Baumbewohner aus seinem geliebten Heim zu vertreiben.

„Trick for Tree“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Sein großer Traum, Trickfilmzeichner für ein etabliertes Unternehmen zu werden, ist in Erfüllung gegangen. Allerdings ist Mordillo unzufrieden. Nach und nach bemerkt er einen Qualitätsunterschied zwischen Paramount Pictures und den Walt Disney Studios. Er schaut sich nach anderen Projekten um. Nur kurze Zeit später (1961), beginnt er wieder als Designer von Grußkarten zu arbeiten. Diesmal beim New Yorker Unternehmen OZ Greetingcards. 1963 gestaltet er hier den Kalender "The OZ Working Girls of ´64". Es handelt sich um 12 Zeichnungen von Frauen im Stile von Pin-Up-Girls. Erstmalig tauchen hier seine weißen kugeligen Figuren auf – allerdings eher am Rande, mehr oder weniger als kleine männliche Wesen, die den Reizen der emanzipierten Frauen ergeben sind.

„The OZ Working Girls of ´64“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Als geborener Argentinier mit spanischer Abstammung zieht es ihn zu seinen familiären Wurzeln nach Europa. Die englische Sprache beherrscht er, sodass es für ihn naheliegend erscheint, England anzuvisieren. Doch wie es der Zufall so will, landet er in Paris. Obwohl er der französischen Sprache nicht mächtig ist, erhält er dank seines zeichnerischen Talents eine Anstellung als Grußkartengestalter bei Mic-Max. Nach mehrjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit, weigert sich Mic-Max den Lohn entsprechend zu erhöhen. Mordillo kündigt und wagt endgültig den Schritt in die Selbstständigkeit!


Französische Grußkarten von „Mic-Max“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Er konzentriert sich auf eigene Projekte und beginnt Cartoons zu zeichnen, die gänzlich ohne Sprache auskommen. Am 31. Juli 1966 veröffentlich das französische Magazin Le Pelèrin eine dieser Zeichnungen. Der internationale Durchbruch naht: So publiziert unter anderem auch das deutsche Magazin Stern seine Arbeiten. 1970 erscheint dann in mehreren Ländern gleichzeitig sein erstes Bilderbuch "Das Piratenschiff". Neben Verlagen und Magazinen wird schließlich auch die Kunstwelt auf den Cartoonisten aufmerksam: 1974 werden erstmalig einige seiner Zeichnungen in der Pariser Galerie La Galere ausgestellt. Es bleibt nicht dabei. Ausstellungen im internationalen Raum, von Moskau über Barcelona bis hin nach China, würdigen sein künstlerisches Schaffen.


Zeichnung für französisches Magazin „Le Pelèrin“  in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Zeichnung für deutsches Magazin „Stern“  in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Seit den 1970ern erscheinen die charakteristischen Mordillo-Figuren in diversen Magazinen und Zeitungen, Geschenkartikeln sowie in Form von Animationen für das Fernsehen. 2005 wird das PC-Spiel "Jungle Fever" auf den Markt gebracht und 2010 das iPad-Spiel "Find them", welches seit 2013 auch als App verfügbar ist. Neben zahlreichen Auszeichnungen, findet 1992 eine erste umfassende Werkschau im Altonaer Museum in Hamburg statt. Zuletzt war es das Karikaturmuseum Krems, welches 2015 sein künstlerisches Schaffen in besonderem Maße würdigte. Nun ist es die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, die mit der Ausstellung "MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist" noch bis zum 7. Januar 2018 über 150 originale Zeichnungen zeigt.


Trickfilmanimationen und PC-Spiel „Jungle Fever“ in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mordillo feierte dieses Jahr seinen 85. Geburtstag. Bis zum heutigen Tage bringt er in seinem Atelier in Monaco unentwegt neue Bilder hervor. Neben seinen Einbildwitzen, Comicstrips, mehrteiligen Bildergeschichten und Wimmelbildern, sind in der LUDWIGGALERIE außerdem eine Reihe seiner amüsanten Trickfilm-Animationen zu sehen.


Guillermo Mordillo am Eröffnungsabend der Ausstellung „The Very Optimistic Pessimist“, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek


Dienstag, 7. November 2017

Ganz ohne Worte … Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“

Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Gefangen in einem Glaskasten. Eine Treppe herabsteigend und mit einer Rolltreppe wieder hochfahrend. Es sind die altbewährten Slapstick-Klassiker, die jedem von uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hans-Jürgen Zwiefka hat sie alle in seinem Repertoire! Seit vier Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Theater, Tanz und schwerpunktmäßig mit der Pantomime. Vergangenen Sonntag performte er in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, unmittelbar vor den Originalen der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“.  Ähnlich wie Mordillo, der mit seinen wortlosen Zeichnungen kleine Geschichte erzählt, bedarf auch Zwiefka keiner Sprachelemente.



Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Die Kunst der Pantomime arbeitet ganz bewusst mit Klischees“, erklärt Zwiefka und schwingt sich als Cowboy auf ein Pferd, um durch die Ausstellung zu galoppieren. Szenen, Gegenstände und selbst Orte werden in der Pantomime durch Gestik und Mimik verständlich gemacht. Gerade weil es sich um derart klischeebehaftete Situationen handelt, ist die Komik auf keinerlei Worte angewiesen. Das heißt aber keineswegs, dass Zwiefkas Aufführungen mucksmäuschenstill sind! Ganz im Gegenteil! Durch die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen schallt laute Musik, die auf die dargebotenen Sketche exakt abgestimmt ist.  




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Immer wieder tritt Zwiefka in Interaktion mit den Museumsbesuchern. Als selbsternannter Scharfschütze schnappt er sich eine Dame aus dem Publikum, die als Zielscheibe für seine Nummer herhalten muss. Die Hemmschwellen seitens des Publikums sind groß. Verständlich, wer will schon freiwillig eine Zielscheibe sein? Nichtsdestotrotz: Nach seiner Aufführung melden sich 11 Interessenten, die an dem anschließenden Pantomime-Workshop teilnehmen.  
 


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Absurdität der Situation spitzt sich zu: Unmittelbar vor Mordillos Originalen begeben sich die Teilnehmer zusammen mit Zwiefka auf die Suche nach dem verlegten Wohnungsschlüssel. Momente des Alltags, die jeder von uns kennt. Ähnlich wie Mordillio verwandelt auch Zwiefka alltägliche Situationen in absurde Geschichten. Manfred Schmidt beschreibt die interdisziplinäre Verbindung sehr zutreffend: „Man betrachtet Mordillos Zeichnungen wie einen Film, dessen Verkettungen voller Überraschungen aufeinander folgen. Die Gags entwickeln sich wie in den Filmen von Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Laurel und Hardy oder wie bei den Marx Brothers.“ Mordillo erzählt, wie auch der Slapstick, allein durch die Mimik und Gestik seiner wortlosen Knollennasen von den Irrungen und Wirrungen des Lebens.




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Innerhalb des Kurzworkshops führt Zwiefka mit den Teilnehmern verschiedene Aufwärmübung für Mimik und Gestik durch: Ab jetzt darf man nur noch in ‚Slow-Motion‘-Geschwindigkeit durch den Raum schreiten und jedesmal, wenn sich zwei Personen versehentlich berühren, sollen beide zu Eisskulpturen erstarren. Die Stimmung innerhalb der Gruppe lockert sich zusehends.


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Anschließend gibt es noch ein kleines Spiel: Die Teilnehmer werden in zwei sich gegenüberstehende Gruppen aufgeteilt. Der einen Gruppe zeigt Zwiefka den Begriff einer Emotion, wie zum Beispiel „Angst“.     


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nun liegt es an den Teilnehmern, diese Emotion körperlich so gut zum Ausdruck zu bringen, dass die andere Gruppe den Begriff errät. „Manchmal kann ein Blick, eine Haltung oder eine Geste mehr ausdrücken als viele Worte“, so Zwiefka über die Kunst der Pantomime, womit er bis zum Ende Recht behält, denn alle dargestellten Emotionen werden von den Teilnehmern korrekt erraten. Berührungsängste und Hemmschwellen wurden im Laufe des Workshops von allen Teilnehmern schnell überwunden, was an Zwiefkas gezielt eingesetzter Trainingsdidaktik liegt. Immerhin hat er bereits vier Bücher zum Themenbereich Pantomime geschrieben und mehrere Gruppenaufführungen erarbeitet. Weitere Informationen zur Person und zu buchbaren Angeboten gibt es auf seiner Homepage:  www.zwiefka-pantomime.de


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek