Donnerstag, 13. Oktober 2016

Rezension einer Ente

Quietscheentchen zu Gast in ENTENHAUSEN >>> OBERHAUSEN 

vom Quietscheentchen

Das gelbe Gummi-Gefieder passt schon mal gut zur roten Schlossfassade. Aber darum geht es ja nicht. Eher um die anderen Enten. Ein bisschen Respekt ist da sicher angebracht. Schließlich ist ganz Entenhausen aktuell in der LUDWIGGALERIE. Werde ich Dagoberts skeptischem Blick durch die Brille standhalten? Mich überhaupt zurechtfinden in diesem Imperium? Und überhaupt: Der große Carl Barks erwartet mich!

Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Ulrich Schröders Leinwand blickt einen direkt an © LUDWIGGALERIE



Einen kleinen Überblick gibt es schon im ersten Raum. Besonders eine große Leinwand mit einer Kreidezeichnung von Ulrich Schröder zieht gleich die Blicke auf sich. Schröder hat früh bei Disney angefangen und war dort wohl einer der jüngsten Zeichner überhaupt. Schon als Teenager in den 1970er Jahren wusste er, dass er Zeichner werden möchte.

Gleich der erste Saal nebenan ist Carl Barks gewidmet. Da lange Zeit nicht bekannt war, welche Künstler eigentlich hinter den Zeichnungen der Firma Disney stecken, nannte man Barks einfach „The good Artist“ – denn sein Stil stach für viele Fans schon immer unter allen anderen heraus. Das große Schwarz-Weiß-Portrait an der Wand lässt in das gutmütige Gesicht eines alten Mannes blicken, der Comic-Geschichte schrieb. Ein Moment zum Innehalten.

Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Der große Carl Barks © LUDWIGGALERIE

Gleich gegenüber ist ein Model-Sheet aus den 1950er Jahren von Dagobert zu sehen. Mal mit Stock, mal mit Taler und natürlich skeptisch guckend. Da immer mehrere Künstler – und inzwischen auch Generationen – an einzelnen Figuren arbeiten, gibt es verbindliche Zeichenvorlagen für alle, die an der Produktion einer Story beteiligt sind. So ist trotz unterschiedlicher Stile der Wiedererkennungswert der Figuren über alle Hefte und Jahrzehnte gesichert.

Die Sorge um die Orientierung in Entenhausen war übrigens unbegründet. Eine große, bunte Landkarte verrät, wo sich Straßen, Strände und Flughäfen befinden. Es handelt sich um „den einzig wahren Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen“ aus dem Jahr 2008. Donaldisten –  Menschen, die die wissenschaftliche Erforschung der Lebenswelt von Donald und Dagobert sehr ernsthaft betreiben – haben die Karte anhand kleinster Beschreibungen von Carl Barks 13 Jahre lang zusammengefügt. Das verdient eine längere Betrachtung!
 
Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Ein Model-Sheet von Dagobert © LUDWIGGALERIE

Ein weiterer Zeichner, der in der Ausstellung vorgestellt wird, ist Jan Gulbransson. 1949 in München geboren, hat er die Ducks nach Deutschland geholt. In seinen Geschichten bereisen sie Berlin, den Süden, den Norden – und sogar das Ruhrgebiet und den Gasometer in Oberhausen. In einer Ecke der ersten Etage gibt es einen kleinen Einblick in die Abenteuer in „good old Germany“.


Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Die Ducks in Deutschland © LUDWIGGALERIE

Im zweiten Stock schließlich ist ein äußerst interessanter Brief zu sehen, der zeigt, wie die heutigen Zeichner die frühere Generation verehren. 1981 antwortete Carl Barks auf die Fan-Post von Ulrich Schröder. Unaufgeregt und liebevoll, obwohl Barks damals sehr wenig Zeit hatte. Ein geschichtliches Dokument, das nicht nur für Comic-Fans spannend ist, sondern auch zwischen den Zeilen aufzeigt, wie das Phänomen Disney und Entenhausen über so viele Jahre bestehen konnte.


Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Post von Zeichner zu Zeichner © LUDWIGGALERIE

Neben diesen Exponaten gibt es noch zahlreiche andere Originale, Skizzen, Bücher und Figuren von den Altmeistern Carl Barks, Al Taliaferro und Floyd Gottfredson sowie den aktuellen Zeichnern Ulrich Schröder, Don Rosa und Jan Gulbransson zu sehen. Und um sich hier stundenlang durch Humor und Zeichenkunst zu schmökern, braucht man keine Ente zu sein. Nicht mal eine aus Gummi.

Quietscheentchen auf Ausstellungsbesuch
Treppenrutschen - nur für Enten! © LUDWIGGALERIE

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