Donnerstag, 9. Februar 2017

Der Sinn und Unsinn von Kunst

Interview mit Künstler Sven Piayda

von Sarah Bauer  

Geldscheine liegen auf dem Tisch. Das Fenster ist offen. Und dann – ein plötzlicher Windstoß! Schicksal? Eine Batterie klappt auf. Doch nicht alle wissen, was das soll. Sie sind zu jung. Die Videos von Sven Piayda in der Ausstellung LET’S BUY IT! spielen mit den Gedanken, Bildern und persönlichen Erinnerungen des Betrachters. Außerdem geht es irgendwie immer um Geld, selbst wenn es vollkommen unwichtig ist. Wir hatten Besuch vom Künstler und haben mit ihm über Energie, Gerhard Richter und seine Begegnung mit einer etwas pikierten Dame gesprochen.

Sven Piayda vor seinem Video "a sudden gust of wind" © LUDWIGGALERIE


Zu LET’S BUY IT! sehen wir zwei Videos von dir in der Ausstellung. Bei „a sudden gust of wind“ fliegt Geld umher – in einem eingefrorenen Moment. Was zeigt uns dieser plötzliche Windhauch?

Diese Arbeit habe ich extra für LET’S BUY IT! angefertigt. Ich wollte die Themen von Geld und Wertigkeit einbinden in das, was ich normalerweise tue: Medial arbeiten mit Symbolen aus Kunstgeschichte und Popkultur. Hier geht es ein bisschen um das Prinzip Wie gewonnen, so zerronnen. Man sieht, wie sich Werte durch eine Laune des Schicksals – zum Beispiel den Windhauch – verflüchtigen.  Der Witz daran ist, dass ich den Moment der Verflüchtigung quasi eingefroren habe als Schockmoment – aber dennoch im Video fortlaufend.

Geldscheine eingefroren fliegend © LUDWIGGALERIE

In deinem anderen Video geht es um eine Werbung von Duracell zu einer besonders langlebigen Batterie. Was war für dich an so diesem Alltagsgegenstand so interessant, dass du ihn zum Teil deiner Kunst machen wolltest?

Das Interessante daran ist, dass man die Referenz nicht versteht, wenn man das Original nicht kennt. Das Video bezieht sich ja auf einen schon älteren Werbespot von Duracell, der früher sehr bekannt war. Aber wer von den jüngeren Leuten kennt den heute tatsächlich noch und versteht damit das Video? Je weniger Erinnerung da ist, desto weniger wird etwas verstanden. Kunst, Kommunikation und auch Identität bestehen aus Referenzen. Es ist wie bei der Batterie: Sie wurde als besonders langlebig beworben, aber trotzdem verliert sie irgendwann ihre Dynamik. Deshalb ist diese eigentlich dösige Batterie ein interessantes Symbol dafür.

Wie wichtig ist Geld in der Kunst?

Zuerst einmal ist Geld wichtig für den Kunstbetrieb. Dann aber wiederum scheint Geld vollkommen unwichtig für den Künstler. Naja, natürlich möchte man als Künstler Geld verdienen und davon leben aber es ist ja schon auffällig, dass 97 Prozent aller Kunststudenten später nicht von ihrem Beruf leben können. Welchen anderen Job würde man denn schon machen wollen mit dem Wissen, dass man dabei vermutlich eh nichts verdient!? Aber es gibt trotzdem immer noch genug Künstler!

Lässig im Museum: Sven Piayda © LUDWIGGALERIE

LET’S BUY IT! thematisiert auch die Werte, die Bilder durch den Kunstmarkt erhalten, wie etwa bei Gerhard Richter …

Gerhard Richter hat eine Karriere gemacht, die Einem von Millionen gelingt. Ich frage mich oft: Wie ist es zu erklären, warum manche etwas verkaufen und andere nicht? Das ist nicht logisch! Der Kunstbetrieb folgt nicht immer wirklichen Qualitätskriterien. Andererseits muss man aber auch sagen, dass fast jeder, der einen großen Namen hat, auch etwas dafür getan und es sich erarbeitet hat. LET’S BUY IT! finde ich übrigens dahin gehend kuratorisch herausragend. Vom 14. Jahrhundert bis heute diese Eigenheiten des Kunstmarkts crossmedial zu thematisieren, ist große Klasse. Auch, dass man nicht nur Picasso oder Beuys reinholt, sondern auch junge Kunst – wie mich.

Du bist ja nicht nur Fotograf und Videokünstler, sondern auch Soundkünstler und arbeitest auch als DJ – welche Klänge faszinieren dich am meisten?

Als bildender Künstler bearbeite ich Sound unter ähnlichen Aspekten wie Videos. Ich mag dabei Sounds, die sich mit der Realität auseinandersetzen. So habe ich zu Beispiel schon mal mit der Schaltsekunde gearbeitet oder auch Songs gestreckt und gestaucht. Die Komposition ist dann zwar eliminiert aber es ist mir dann nicht wichtig, dass es am Ende gut klingt, sondern, dass nur noch ein bestimmter Sound da ist.

Die Duracell-Batterie © LUDWIGGALERIE

Zum Schluss: Erzähl doch mal von deiner Unterredung mit der gut gekleideten Dame während der Eröffnung von LET’S BUY IT!

Ach ja, das! Es war unheimlich voll auf der Eröffnung und ich hatte als Künstler einen reservierten Platz. Da sagte ich aus Spaß etwas lauter: „Ist das wirklich so ein großes Ding hier?“ und eine Dame vor mir drehte sich herum und antwortete deutlich: „Das ist die Sammlung Ludwig. Das IST etwas Großes.“ Also sagte ich ein wenig launisch: „Ach so. Wissen Sie, ich zeige meine Werke überall, wo man mich lässt.” Sie hat sich danach nicht noch einmal umgedreht und ich glaube, sie hat den Witz nicht so ganz verstanden. Ich weiß aber natürlich, wo ich bin und weiß das auch sehr zu schätzen. Aber man ist ja nicht in der Kirche!

Sven Piayda wurde 1977 in Gelsenkirchen geboren. Von 1998 bis 2003 studierte er Gestaltungstechnik an der Universität Essen. Seit 2001 stellt er regelmäßig in den Bereichen Videokunst, Fotografie und Klangkunst aus. 2006 begann er eine Lehrtätigkeit für Bildbearbeitung, digitale 3D-Gestaltung und Audiovision. Hier geht es zu seiner Homepage www.svenpiayda.com.


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