Mittwoch, 15. Februar 2017

Von Sackleinen zum Pinsel-Chor

Ein Einblick in das Interview mit Malschul-Mitbegründer Jürgen Hinnighofen

von Sarah Bauer 

Lackierte Kronen glänzen im Abendlicht, das durch die große Fensterfront der Panoramagalerie fällt. Ein Monster lugt mit zwei spitzen Zähnen grinsend hinter einem Rahmen hervor. Die vor Kreativität sprühende Ausstellung „GLÜCK:WUNSCH – 50 Jahre Malschule“ zieht aktuell viele große und kleine Besucherinnen und Besucher an. Zur Schau ist auch ein dickes, buntes Buch erschienen. Darin findet sich unter anderem ein Interview mit Malschul-Mitbegründer Jürgen Hinnighofen. Wir zeigen euch hier heute ein paar Ausschnitte aus dem Gespräch – mit aus Platzmangel nicht gedrucktem und bisher unveröffentlichtem Material.
 
rgen Hinninghofen während der Eröffnung der Ausstellung © LUDWIGGALERIE


Wie wurden Sie zum „Vater“ der Städtischen Malschule Oberhausen?

Von der Stadtverwaltung aus kam damals die Idee, eine Malschule in der Städtischen Galerie zu aufzubauen, um das stille Museum mit Leben zu füllen. Da wurden mein Studienfreund Klaus Pfotenhauer und ich gefragt, ob wir das machen würden. Wir waren zu der Zeit noch an verschiedenen Schulen in Oberhausen tätig. Bei der Malschule gab es dann anfangs nicht mal Honorar – wir waren quasi Versuchskaninchen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen und inzwischen erwachsenen Malschülern?

Ja, öfter mal. Ich bekomme Post oder treffe Leute, die hier wohnen geblieben sind, auf Veranstaltungen. Auch als wir jetzt Erinnerungen zu 50 Jahren Malschule gesammelt haben, kamen teils ganz emotionale und fast schon pathetische Texte.
Letztens war ich im Krankenhaus, da hat die Krankenschwester bei meinem Namen gestockt, ihn direkt mit der Malschule verbunden und mir erzählt, dass ihre Kinder auch dort gewesen sind. Man kann auf jeden Fall immer eine bestimmte Wärme spüren, wenn man Malschülerinnen und Malschüler wiedersieht.


Das Buch zur Ausstellung mit Kinderkommentar © LUDWIGGALERIE

Welcher Moment ist Ihnen bei 50 Jahren besonders im Gedächtnis geblieben?

Ich erinnere mich daran, wie wir damals mit den Kursen ins heutige Kabinett des Kleinen Schlosses der LUDWIGGALERIE gezogen sind. Der Raum war mit Sackleinen versehen, die Decke war gelb-bräunlich gestrichen. Es war sehr schlechtes Licht und ich wusste, hier muss unbedingt mal neu gestrichen werden! Da hat mich Hildegard Matthäus vom Kulturausschuss angesprochen und gesagt, ich solle einfach mal meine Wünsche aufschreiben. Das war 1970. Ich habe dann einen sehr aufwendigen Wunschzettel gebastelt und geklebt. Das fand sie so toll, dass sie ihn sofort an die damalige Oberbürgermeisterin Luise Albertz weitergegeben hat – und es wurde ziemlich schnell renoviert. 
 
Frau Albertz wollte dann aber auch zur Eröffnung kommen. Wir hatten einige Bilder aufgehängt aber ich dachte, ach, das reicht doch nicht! Zum Glück hatten wir einige musikalische Schüler und dann habe ich zusammen mit ihnen und Bekannten vom Chor ein kleines Orchester zusammengestellt, das mit dem Pinsel dirigiert wurde. Was für ein Ereignis! Frau Albertz war ganz verblüfft, dass es in der Malschule auf einmal auch Musik gab.

Zitate zum Schmunzeln im Buch © LUDWIGGALERIE

Das Buch zur Ausstellung mit dem kompletten Interview kann man im Museumsshop der LUDWIGGALERIE für 15 Euro kaufen. In „Malschule 50 – GLÜCK:WUNSCH – Bilderbuch, Ideensammlung, Wunderwerk“ finden sich liebevolle und lustige Zitate aus dem Alltag der Malschule, Bilder von zahlreichen bunten Werken verschiedener Generationen und inspirierende Texte zur Geschichte und dem pädagogischen Leitfaden der Kreativstätte.

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