Montag, 10. Juli 2017

Marilyn Monroe in der LUDWIGGALERIE


Scarlett Andrews in der LUDWIGGALERIE, ExtraSchicht 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Bei der ExtraSchicht 2017 während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie“, vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE
Autorin: Natascha Kurek


Ladies and gentlemen, it’s a great pleasure to welcome Marilyn Monroe to LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen! She “wanna be loved by you”, although her “heart belongs to Daddy”…


Unmittelbar vor den Werken der Ausstellung Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie performte das Marilyn Monroe-Double Scarlett Andrews die bekanntesten Songs der Hollywood-Legende. Wie in der berühmten Fotografie von Sam Shaw, wurde selbstverständlich auch hier das weiße Plisseekleid von einem kühlen Windstoß hochgeweht.


Die originale Filmsequenz aus Das verflixte 7. Jahr (1954) beginnt damit, dass Marilyn zusammen mit ihrem Schauspielpartner mitten in der New Yorker Sommerhitze ein Kino verlässt. „Isn’t it delicious?“ ruft sie, als plötzlich ihr Rock durch das Gebläse eines U-Bahn-Schachts hochgeweht wird. An dem Abend der ExtraSchicht war es zwar kein U-Bahn-Schacht, aber dafür ein auserwählter Herr aus dem Publikum, der die Ehre hatte, einen Ventilator zu betätigen. Eines steht fest: Das dabei entstandene Foto ruft bei wohl jedem die Erinnerung an das ikonenhafte Original von Sam Shaw hervor. 



Scarlett Andrews in der LUDWIGGALERIE, ExtraSchicht 2017  © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Bei der ExtraSchicht 2017, während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie“, vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE
Kaum eine Frau wurde häufiger imitiert als sie. Geboren als Norma Jeane Mortenson und gestorben als Mythos Marilyn Monroe. Wahrlich eine Legende des 20. Jahrhunderts. Bis heute rätseln Autoren über ihre Persönlichkeit. Ihr Leberfleck und das weiße Plisseekleid sind längst zum modischen Markenzeichen avanciert. Sogar Andy Warhol stilisierte sie zu einer Ikone. Filmregisseure und Fotografen liebten sie für ihr Lächeln, ihre Energie. Allen voran Sam Shaw, der zu ihren engsten Freunden zählte.


Ausstellungsansicht „Let’s buy it“, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen/Axel Scherer
Vom 22. Januar bis 14. Mai 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Let’s buy it! Kunst und Einkauf. Von Albrecht Dürer über Andy Warhol bis Gerhard Richter

Marilyn Monroe und Sam Shaw lernen sich Anfang der 1950er bei den 20th Century Fox Studios kennen. Als „Mädchen für alles“ hält sie sich dort mit kleinen Gelegenheitsjobs über Wasser. Er hingegen gilt in der Filmbranche bereits als etablierter Standfotograf. Engagiert für eine neue Filmproduktion ist es ausgerechnet die noch unbekannte Schauspielerin, die ihn als Fahrerin von Set zu Set chauffiert. Mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Fotografen und der aufstrebenden Hollywood-Ikone.


Sam Shaw, Marilyn Monroe, New York City 1954 (Das verflixte 7. Jahr) © Sam Shaw Inc. - www.shawfamilyarchives.com
Vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie

Als sie die Hauptrolle im Film Das verflixte 7. Jahr (1954) ergattert, ist es kein Geringerer als Sam Shaw, der die Filmstudios spontan davon überzeugt, jene legendäre Szene mit dem hochfliegenden Pilsseekleid in den Film zu integrieren. Zum Zwecke einer Werbekampagne lädt er 200 Fotografen zu diesem Drehtag ein, sodass die Bilder bereits am nächsten Tag weltweit durch die Presse gehen. Nach den Filmen Blondinen bevorzugt (1953) und How to marry a Millionaire (1953) wird auch Das verflixte 7. Jahr (1954) ein voller Erfolg. Spätestens jetzt ist der Weltstar Marilyn Monroe geboren.


Sam Shaw, Marilyn Monroe, New York City 1954 (Das verflixte 7. Jahr) © Sam Shaw Inc. - www.shawfamilyarchives.com
Vom 21. Mai bis 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung “Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie

Doch auch abseits des Beruflichen stehen sich die beiden nah. Spaßeshalber nennt sie ihn immer wieder „Sam Spade“, angelehnt an die amerikanische Filmfigur eines Privatdetektivs. Mindestens mit zwei, manchmal  sogar behangen mit vier Kameras, soll Sam Shaw stets auf der Suche nach dem Unerwarteten gewesen sein. So auch bei seinen Porträts von Marilyn. Für ihn ist sie mehr als nur ein sexy Pin-up-Girl. Er will ihr wahres Wesen fotografieren – hinter die Fassade blicken und das Unerwartete finden. Abseits des Glamours und der Erotik ist es vor allem ihre natürliche Seite, die er ihr immer wieder zu entlocken versucht: „Wenn sich Marilyn entspannte und mir vertraute, war sie ganz besonders schön und verletzlich. Die wirkliche Marilyn war schön, nicht der Star.“

Besonders in den Phasen ihrer Eheschließungen und Scheidungen steht er ihr als guter Freund zur Seite. Bei Tag oder bei Nacht – Marilyn scheut sich zu keiner Uhrzeit Sam anzurufen und ihn um Rat zu bitten. Umso anrührender ist es, dass er sich aus Pietätsgründen zehn Jahre lang nach ihrem Tod weigert, ihre Aufnahmen zu veröffentlichen, ganz im Gegensatz zu manch anderen ihrer Fotografen.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting



Wie zum Beispiel der Mode- und Werbefotograf Bert Stern. Nur einige Wochen vor Marilyns Tod vereinbart er mit ihr ein mehrtägiges Fotoshooting in einer speziell dafür gemieteten Hotelsuite. Um eine neutrale Raumatmosphäre zu schaffen, bespannt er die Wände des Hotelzimmers mit weißem Papier. Er besorgt durchsichtige Tücher, mit denen Marilyn spielerisch ihren Körper verhüllen soll. Ein Karton ihres Lieblingschampagners steht für sie bereit und stimmungsvolle Musik läuft im Hintergrund. Das Fotoshooting dauert die ganze Nacht und es folgen noch weitere dieser Art. Nach Marilyns unerwartetem Tod vermarktet er die Aufnahmen unter dem Titel The Last Sitting. Hierbei veröffentlicht er auch einige der Aktfotos, welche Marilyn ausdrücklich abgelehnt hatte.



Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting



Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich schon zu Marilyns Lebzeiten: Nur kurze Zeit bevor sie Sam Shaw kennenlernt, posiert die noch unbekannte Schauspielerin 1949 nackt für Tom Kelley. Drei Jahre nach dem Shooting werden Marilyns Nacktaufnahmen in einem Pin-up-Kalender veröffentlicht. Angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um die prüden 1950er handelt und Marilyn gerade auf dem besten Wege ist als Schauspielerin Anerkennung zu finden, steht die skandalträchtige Wirkung solcher Nacktaufnahmen außer Frage. Dennoch gelingt es ihr diesen Umstand in öffentlichen Interviews humorvoll zur meistern – letztlich sogar daraus einen werbewirksamen Nutzen für ihre Karriere zu ziehen.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting


Sam Shaw, Bert Stern oder Tom Kelley – in die Reihe derjenigen Fotografen, denen es gelang die schöne Schauspielerin vor die Linse zu bekommen, fügt sich als letztes Glied auch Allan Grant ein. Für den 6. Juli 1962 wird Grant vom LIFE-Magazin dazu beauftragt, ein Interview zwischen Marilyn Monroe und Richard Meryman fotografisch zu begleiten.
Nach ihrem plötzlichen Tod am 5. August 1962 erscheinen diverse zuvor unveröffentlichte Fotostrecken von ihr. Sowohl Stern als auch Grant nehmen beide für sich in Anspruch, das jeweils „letzte“ Shooting mit Marilyn Monroe gehabt zu haben.


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting

Derjenige Fotograf, der sich damals ganz bewusst aus der Öffentlichkeit heraus hielt, ist Sam Shaw. Am besten verschafft ihr euch selbst einen Eindruck von den Fotografien und erfahrt mehr über das besondere Verhältnis zwischen Marilyn Monroe und Sam Shaw. Wer weiß, vielleicht findet ihr ja auch das Unerwartete.
Finding the Unexpected. SAM SHAW. 60 Jahre Fotografie, bis zum 17. September 2017 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.   


Ausstellungsansicht „Marilyn Monroe“, 2012 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
  Vom 23. September 2012 bis 13. Januar 2013 in der LUDWIGGALERIE während der Ausstellung „Marilyn Monroe. In Fotografien von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley, Leif-Eric Nygård und Bert Stern - The Last Sitting