Dienstag, 7. November 2017

Ganz ohne Worte … Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“

Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Gefangen in einem Glaskasten. Eine Treppe herabsteigend und mit einer Rolltreppe wieder hochfahrend. Es sind die altbewährten Slapstick-Klassiker, die jedem von uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hans-Jürgen Zwiefka hat sie alle in seinem Repertoire! Seit vier Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Theater, Tanz und schwerpunktmäßig mit der Pantomime. Vergangenen Sonntag performte er in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, unmittelbar vor den Originalen der Ausstellung „MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist“.  Ähnlich wie Mordillo, der mit seinen wortlosen Zeichnungen kleine Geschichte erzählt, bedarf auch Zwiefka keiner Sprachelemente.



Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Die Kunst der Pantomime arbeitet ganz bewusst mit Klischees“, erklärt Zwiefka und schwingt sich als Cowboy auf ein Pferd, um durch die Ausstellung zu galoppieren. Szenen, Gegenstände und selbst Orte werden in der Pantomime durch Gestik und Mimik verständlich gemacht. Gerade weil es sich um derart klischeebehaftete Situationen handelt, ist die Komik auf keinerlei Worte angewiesen. Das heißt aber keineswegs, dass Zwiefkas Aufführungen mucksmäuschenstill sind! Ganz im Gegenteil! Durch die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen schallt laute Musik, die auf die dargebotenen Sketche exakt abgestimmt ist.  




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Immer wieder tritt Zwiefka in Interaktion mit den Museumsbesuchern. Als selbsternannter Scharfschütze schnappt er sich eine Dame aus dem Publikum, die als Zielscheibe für seine Nummer herhalten muss. Die Hemmschwellen seitens des Publikums sind groß. Verständlich, wer will schon freiwillig eine Zielscheibe sein? Nichtsdestotrotz: Nach seiner Aufführung melden sich 11 Interessenten, die an dem anschließenden Pantomime-Workshop teilnehmen.  
 


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Absurdität der Situation spitzt sich zu: Unmittelbar vor Mordillos Originalen begeben sich die Teilnehmer zusammen mit Zwiefka auf die Suche nach dem verlegten Wohnungsschlüssel. Momente des Alltags, die jeder von uns kennt. Ähnlich wie Mordillio verwandelt auch Zwiefka alltägliche Situationen in absurde Geschichten. Manfred Schmidt beschreibt die interdisziplinäre Verbindung sehr zutreffend: „Man betrachtet Mordillos Zeichnungen wie einen Film, dessen Verkettungen voller Überraschungen aufeinander folgen. Die Gags entwickeln sich wie in den Filmen von Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Laurel und Hardy oder wie bei den Marx Brothers.“ Mordillo erzählt, wie auch der Slapstick, allein durch die Mimik und Gestik seiner wortlosen Knollennasen von den Irrungen und Wirrungen des Lebens.




Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Innerhalb des Kurzworkshops führt Zwiefka mit den Teilnehmern verschiedene Aufwärmübung für Mimik und Gestik durch: Ab jetzt darf man nur noch in ‚Slow-Motion‘-Geschwindigkeit durch den Raum schreiten und jedesmal, wenn sich zwei Personen versehentlich berühren, sollen beide zu Eisskulpturen erstarren. Die Stimmung innerhalb der Gruppe lockert sich zusehends.


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Anschließend gibt es noch ein kleines Spiel: Die Teilnehmer werden in zwei sich gegenüberstehende Gruppen aufgeteilt. Der einen Gruppe zeigt Zwiefka den Begriff einer Emotion, wie zum Beispiel „Angst“.     


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nun liegt es an den Teilnehmern, diese Emotion körperlich so gut zum Ausdruck zu bringen, dass die andere Gruppe den Begriff errät. „Manchmal kann ein Blick, eine Haltung oder eine Geste mehr ausdrücken als viele Worte“, so Zwiefka über die Kunst der Pantomime, womit er bis zum Ende Recht behält, denn alle dargestellten Emotionen werden von den Teilnehmern korrekt erraten. Berührungsängste und Hemmschwellen wurden im Laufe des Workshops von allen Teilnehmern schnell überwunden, was an Zwiefkas gezielt eingesetzter Trainingsdidaktik liegt. Immerhin hat er bereits vier Bücher zum Themenbereich Pantomime geschrieben und mehrere Gruppenaufführungen erarbeitet. Weitere Informationen zur Person und zu buchbaren Angeboten gibt es auf seiner Homepage:  www.zwiefka-pantomime.de


Pantomimekünstler Hans-Jürgen Zwiefka in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Autorin: Natascha Kurek




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