Mittwoch, 13. Dezember 2017

Reges Treiben in der Artothek der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen



Ursula Bendorf-Depenbrock berät Wolfgang Domin bei der Auswahl einer neuen Leihgabe, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Letzte Woche war es wieder soweit. Jeden ersten Donnerstag im Monat kann man in der Artothek Kunst leihen. Seit 1977 bietet die Artothek der LUDWIGGALERIE diesen Service nun schon an und erfreut bislang 300 Stammkunden mit einem vielseitigen Repertoire. Von Malerei bis Skulptur – mit etwa 2000 Kunstwerken ist für jeden Geschmack etwas mit dabei. Gegen eine Gebühr von jeweils 11 Euro (inkl. Versicherungsschutz) kann man sich sein Lieblingsbild für drei Monate als Leihgabe mit nach Hause nehmen. 
Die Pastell-Malerei von Sigrid Kuntz hing sechs Monate lang bei Wolfgang Domin als Leihgabe im Wohnzimmer, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Ein Stillleben mit einer Melone und zwei Pfirsichen. Das Pastell von Sigrid Kuntz kehrte letzte Woche wieder zurück in die Artothek. Wolfgang Domin ist Musik- und Sportlehrer an der Willi-Brandt-Gesamtschule in Bottrop und hatte das sommerlich frische Obstmotiv sechs Monate lang bei sich zu Hause hängen. Zusammen mit seiner Frau hat er nun die Leihgabe wieder zurück nach Oberhausen gebracht. „Für die Winterzeit muss ein neues Bild her!“ Seit 2013 nutzt das Ehepaar Domin das Angebot der Artothek und hat bislang schon 20 Werke geliehen. „Der Vorteil an einer Kunst-Leihgabe ist, dass man die Werke passend zur Jahreszeit auswählen kann“, so der Lehrer aus Bottrop. Schnell haben sich die beiden auf ein neues Bild geeinigt:
Wolfgang Domin vor seiner neuen Leihgabe: Eine Malerei von Luisa Schatzmann, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Es ist die pastos aufgetragene Malerei von Luisa Schatzmann, die demnächst das Wohnzimmer der Domins schmücken wird. „Die kühlen Farben entsprechen der Winterzeit und vor allem wird das Bild sehr gut zu unserem Tannenbaum passen!“
Manch Anderem fällt die Entscheidung für das richtige Kunstwerk nicht ganz so einfach. Margit Dewald-Fink ist zusammen mit ihrem Ehemann in der Artothek. Alle zwei bis drei Monate leihen sie sich ein neues Kunstwerk aus.
Die Gäste von Margit Dewald-Fink bestaunten bei ihr zu Hause das Werk von Johannes Franitza, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Zuletzt schmückte eine Malerei von Johannes Franitza ihre Wohnzimmerwand. „Alle Gäste waren begeistert!“ Selbstverständlich würden sich die beiden Kunstliebhaber gerne mal ein Werk kaufen – nur das Problem ist, dass sie sich einfach nicht endgültig festlegen können. „Aus diesem Grund ist die Artothek die ideale Alternative zu einem Kunstkauf“, so die Kunst- und Mathelehrerin, die ehemals am Abtei Gymnasium in Duisburg unterrichtete. „Man muss keine endgültige Kaufentscheidung treffen.“ Zum Glück gibt es an diesem Tag Glühwein in der Artothek. Mit einem warmen Getränk in der Hand, lässt es sich bekanntlich besser entscheiden. Und zur Freude aller machen sich die beiden mit drei neu ausgewählten Leihgaben von Gerhard Losemann zufrieden auf den Heimweg nach Duisburg.
Margit Dewald-Fink zusammen mit ihrem Ehemann bei einem Glühwein in der Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Maike Sutor-Fiedler ist Journalistin aus Essen und zählt seit vielen Jahren zu den Stammkunden der Artothek. Diese surrealistische Collage von Olaf Stöhr verzierte drei Monate lang ihre Kaminwand – wohlbemerkt eine „Kaminwand ohne Kamin“, wie sie erwähnt, aber dafür MIT Kunst! „Es gefällt mir, dass ich mit den wechselnden Leihgaben immer wieder Bewegung in meine Wohnung bringe.“ Sie schätzt vor allem das facettenreiche Angebot der Artothek.  
Maike Sutor-Fiedler mit einer Collage von Olaf Stöhr, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
„Bewegung“ ist auch für Sabine Grajewski aus Oberhausen ein wichtiges Stichwort. Erstmalig hat sie sich 2016 Kunst in der Artothek geliehen. An diesem Tag bringt sie ein Werk von Katja Fliß zurück, das ganze neun Monate über ihrem Schreibtisch im Bürozimmer hing. Als Geschäftsführerin des Stadt-Sport-Bunds Oberhausen hat sie eine ganz spezielle Bindung zu dem Bild mit der Balletttänzerin: In einer dynamischen Formkomposition visualisiert es in kraftvollen Farben die Themen Tanz, Sport und Bewegung.  „Ich wollte es gar nicht mehr hergeben. Am liebsten hätte ich das Bild der Artothek abgekauft!“. Leider war nur eine Verlängerung der Leihgabe möglich.
Sabine Grajewski wollte die Arbeit von Künstlerin Katja Fliß gar nicht mehr hergeben, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Doch es braucht nicht lange bis die Oberhausenerin ein neues Lieblingsstück in der Artothek findet. Auch dieses Mal handelt es sich um eine Malerei von Katja Fliß, die einen Platz im Büro der Geschäftsführerin finden wird.
Ein weiteres Werk von Katja Fliß, Artothek, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Mit dem eingepackten Kunstwerk unterm Arm geht es nun nach Hause. Am 4. Januar 2018 öffnet die Artothek wieder von 16.00 bis 20.00 Uhr. Schaut einfach mal rein zum unverbindlichen Stöbern und wer weiß, vielleicht werdet ihr ja auch fündig!
Sabine Grajewski verlässt die Artothek mit einer neuen Leihgabe für ihr Büro, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Nähere Auskünfte zur Artothek auf der Homepage:
Autorin: Natascha Kurek















Donnerstag, 7. Dezember 2017

Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist


Am Samstag, den 25. November 2017 fand der Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist statt! Dem Ausstellungstitel entsprechend, wagten wir ein kleines Gedankenexperiment: Direkt zu Beginn der Veranstaltung kürten wir jeden der TeilnehmerInnen mit einer Umhänge-Medaille entweder zu einem Optimisten oder zu einem Pessimisten. Wer eine grüne Medaille erhält, soll sein Augenmerk auf die positiven Aspekte in den Bildern Mordillos lenken. Wird man hingegen mit der roten Medaille zum Pessimisten ernannt, so hat man speziell auf die negativen Pointen in den Werken zu achten.
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Gemeinsam mit der Kunstvermittlerin Angela Noack-Zwick durchschreiten die TeilnehmerInnen den mordillanischen Kosmos im Großen Schloss der LUDWIGGALERIE. Die fiktiv auferlegte Gesinnung macht dem ein oder anderen sichtlich zu schaffen – immerhin ist nun reines Schwarz-Weiß-Denken angesagt: „Achja, so positiv darf ich das Bild gar nicht beurteilen“, unterbricht sich Danny Giessner selbst, “schließlich bin ich ja heute Pessimist!“ und hält seine rote Umhänge-Medaille hoch. Der kulturbegeisterte Blogger berichtet regelmäßig auf www.wahlheimat.ruhr über Eindrücke, Events & Ausstellungen im Ruhrgebiet. 
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Auch Opa Hausen ist wieder mit von der Partie. Etwas mürrisch kam er beim vereinbarten Termin um 11 Uhr in der LUDWIGGALERIE an: „Eigentlich klön ich um die Zeit noch mitte andern Rentner beim Bäcker!“. Für diese Morgen-Muffeligkeit gab es für Opa Hausen erstmal eine rote Pessimisten-Medaille! Beim gemeinsamen Rundgang zeigte er sich besonders angetan von Mordillos kleinem Mann im großen Kosmos. „Wat war für mich negativ? Hätten mehr kleine Kerle drauf gepasst.“  Opa Hausen auf Facebook
Opa Hausen in der MORDILLO-Ausstellung, 2017 © Dirk Trachternach
Tatsächlich erfasst der berentete Bergmann hiermit ein zentrales Thema in Mordillos Bildern: die Einsamkeit. Immer wieder befinden sich Mordillos Figuren alleine in scheinbar ausweglosen Situationen. Verloren im Kosmos, gestrandet auf einer Insel oder als Gefängnisinsasse in einer Zelle. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die kunterbunte Welt Mordillos als Projektionsfläche von ernsthaften, gar existenzialistischen Gedanken.
© Mordillo Foundation, all rights reserved 2009
Im Laufe unseres Experiments wird immer deutlicher, dass fast alle Bilder von Mordillo gleichermaßen pessimistische und optimistische Anteile aufweisen, wie auch Hildegard Mihm‏ @mmaeckie auf Twitter feststellt: „Und tatsächlich ziehen sich beide Elemente konsequent durch Mordillos Werk.“ Dennoch ist „immer wat zum Lachen dabei und dat mach ich“, so Opa Hausen über die Ausstellung. „Vielleicht auch, weil die Figuren alle große runde Augen haben und nen bissen pummelich sind. Kam mir bekannt vor.“ Ein weiteres Merkmal von Mordillos Figuren bringt Bloggerin Britta Rübsam (Ruhr Tourismus) auf den Punkt: „Männer bestehen aus drei, Frauen aus fünf Kreisen. Zumindest bei #Mordillo #TheVeryOptimisticPessimist“.
Social Media- und Bloggertag zu MORDILLO #TheVeryOptimisticPessimist, 2017 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Doch das Erfreulichste ist, dass es Mordillos Knollennasen in den meisten Fällen gelingt, die Hindernisse des Alltags mit Optimismus und Humor zu bewältigen, womit sich letztlich auch der Ausstellungstitel The Very Optimistic Pessimist erklären lässt.
© Mordillo Foundation, all rights reserved 2008
MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist noch bis zum 7. Januar 2018 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.


Autorin: Natascha Kurek